Bild: Pressefoto Ulmer / Markus Ulmer

Brutales Ende! Tübingen mit 101:107-Niederlage nach Verlängerung gegen Würzburg

08 Jan 2024

In der mit 2.428 Fans, darunter circa 20 Würzburger Zuschauer, für einen Montagabend gut gefüllten Paul Horn-Arena lieferten sich die Tigers Tübingen und die Würzburg Baskets einen grandiosen Fight. Und dies erheblich verletzungsgeschwächt (siehe Dschungelgeflüster). Allerdings ließen sich die Schützlinge von Trainer Danny Jansson auch dieses Mal die Butter nach einer Führung im letzten Viertel noch vom Brot nehmen und verloren nach Verlängerung gegen die Würzburg Baskets mit 101:107 (87:87; 41:38). Für Würzburg wär es der siebte Sieg in Serie. Am Ende brauchte es aber eine Gala-Vorstellung von Otis Livingston II im Dress der Würzburger, der mit 42 Punkten einen Saisonrekord in der easyCredit BBL erzielte und das Duell mit Jhivvan Jackson am Ende für sich entscheiden konnte. Die 42 Punkte von Livingston II sind auch ein Rekord in der Paul Horn-Arena überhaupt. Jackson erzielte seinerseits 31 Zähler, konnte allerdings im vierten Viertel und der Verlängerung nur noch zwei Zähler auf seinem Punktekonto verbuchen. Das Spiel war durchgängig knapp, kein Team war zweistellig in Führung. Die höchste Führung der Tigers betrug neun Punkte beim Stand von 78:69 in der 35. Minute, Würzburg war am Ende mit sechs Zählern am Weitesten in Front. Unterstützung bekam Jackson von Jimmy Boeheim (25 Punkte) und Zaccheus Darko-Kelly (zwölf), Bei Würzburg punkteten neben Livingston noch Owen Klassen (14) und Collin Welp (14) zweistellig. Isaiah Washington erzielte mit 13 Punkten und zwölf Rebounds ein Double Double. Der ehemalige Tübinger Zac Seljaas fehlte verletzungsbedingt in Tübingen.

In der Vorrunde stehen für die Tigers Tübingen noch zwei Partien auf dem Programm. Zunächst geht es am Sonntag, den 14. Januar 2024, zum SYNTAINICS MBC nach Weißenfels. Spielbeginn ist um 15:30 Uhr in der Stadthalle zu Weißenfels. Exakt eine Woche später (Sonntag, 21. Januar 2024, 15:30 Uhr, Paul Horn-Arena) empfangen die Raubkatzen die BG Göttingen in der Paul Horn-Arena zum Duell. Zwei Begegnungen gegen direkte Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. Tickets für das Spiel gegen die Niedersachsen gibt es im Onlineshop.

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Erstes Viertel (19:19):

Die Tigers benötigten knapp zwei Minuten für das erste Erfolgserlebnis. Da die Gäste aus Würzburg zunächst auch noch wenig treffsicher waren, sorgten Erol Erseks Punkte für den 2:2-Zwischenstand. Es entwickelte sich eine ausgeglichene Anfangsphase. Nach zwei erfolgreichen Freiwürfen von Boeheim und einem Dreier von Jackson führte der Gastgeber nach vier Minuten mit 10:5. Die Gäste aus Würzburg blieben aber dran, weil die Tigers-Defensive einige einfache Würfe zuließ. Bis zur siebten Minute konnten die Schwaben den Vorsprung behaupten, ehe ein Dreipunktspiel von Livingston II die Gäste in der achten Minute mit 19:17 in Führung brachte. Die Raubkatzen ließen in dieser Phase zahlreiche offene Würfe liegen und blieben knapp drei Minuten ohne jeden Korberfolg. Erst drei Sekunden vor dem Viertelende beendete Krišs Helmanis die lange Durststrecke. Da auch Würzburg nichts Zählbares mehr gelang, ging es mit einem 19:19 in die erste Viertelpause.

Zweites Viertel (22:19):

Der Start ins zweite Viertel gehörte der Jansson-Truppe. Angeführt von Helmanis und einem überragenden Jackson, der zwei Dreier nacheinander einnetzte, erspielten sich die Tübinger innerhalb von 80 Sekunden eine 27:19-Führung. Gäste-Coach Saša Filipovski bat zur Auszeit.  Die Gäste verteidigten nun Jackson sehr intensiver. Da die Tigers aber den Ball gut liefen ließen, kamen nun die Punkte von den anderen Teamkollegen. In der 14. Minute bediente Mateo Šerić Timo Lanmüller, der zum 32:24 traf. Im Anschluss blieben die Tigers wieder einige Angriffe lang erfolglos, sodass die Gäste in Schlagdistanz blieben. Welp brachte die Baskets in der 16. Minute wieder auf drei Punkte (29:32)heran, ehe Jackson auch seinen fünften Versuch aus der Distanz zum 35:29 traf. Letztendlich waren es Unkonzentriertheiten und Ballverluste der Tübinger, die die Gäste gnadenlos bestraften. In der 17. Minute bat Jansson beim Stand von 35:33 zu einer Auszeit. Im direkten Anschluss leisteten sich die Tigers erneut einen unnötigen Ballverlust, den der stark aufgelegte Welp erneut mit einem Dreier zum 36:35 bestrafte. Bis zum Pausentee blieb die Begegnung ausgeglichen. Mit einem 41:38 für die Hausherren wurden die Seiten gewechselt.

Drittes Viertel (24:24):

Die Franken aus Würzburg kamen deutlich besser in die zweite Halbzeit und gingen nach vier schnellen Punkten wieder mit 42:41 in Führung, ehe Jackson mit seinem ersten “Zweier” die Führung für die Tigers zurückeroberte (43:42, 22. Minute). Da die Gäste nun allerdings aus einer guten Verteidigung heraus weitere vier schnelle Punkte erzielten, nahm der Finne in Diensten der Schwaben beim Stand von 43:46 in der 23. Minute eine für ihn ungewöhnlich frühe Auszeit. Danach war wieder Jackson-Time: Mit seinem sechsten Dreier brachte er seine Mannschaft in der 24. Minute wieder mit 48:47 in Front und sorgte für Begeisterung auf den Rängen. Eine wirkliche Initialzündung der Tigers startete aber etwas später. Mit einem 7:0-Lauf zogen die Schwaben bis auf 61:54 davon und zwangen so ihrerseits den Würzburger Coach Filipovski zu einer Auszeit (27. Minute). Die Schwaben ließen sich dadurch etwas aus dem Rhythmus bringen und gestatteten den Baskets die Verkürzung des Rückstandes auf, ehe der grundsolide Javon Masters mit zwei Freiwürfen wieder auf 65:60 stellte (29. Minute). Den Schlusspunkt in diesem intensiven Viertel setzte dann allerdings Würzburgs Washington, der quasi mit der Schlusssirene zum 62:65 einnetzte.

Viertes Viertel (22:25):

Die Frage, die sich nun alle in der Paul Horn-Arena stellten, war, ob die Tigers dieses hohe Niveau heute bis zum Schluss durchhalten würden. Zumindest war deutlich zu spüren, dass sie sich dieses Mal besonders viel vorgenommen hatten. Um jeden Ball wurde verbissen gekämpft und vorne half Jackson. Sein siebter Dreier (bei sieben Versuchen!) in Bedrängnis und aus dem Fastbreak heraus brachte in der 33. Minute das 74:67 und eine weitere Auszeit von Würzburg. Fünf Minuten vor dem Ende beim Stand von 78:69 sah alles nach dem fünften Saisonsieg der Raubkatzen aus. Angeführt von Livingston II verkürzten die Baskets allerdings wieder, ehe Boeheim sich mit viel Willen zum Korb durchtankte und das 83:77 erzielte (37. Minute). Die intensive Verteidigung der Tigers forderte kurz darauf ihren Tribut, als Ersek als erster Tübinger Spieler mit seinem fünften Foul auf der Bank Platz nehmen musste. Die Würzburger nutzten in Person von Livingston II diese Phase, als er 86 Sekunden vor dem Ende mit einem Dreier auf 85:86 verkürzen konnte. Eben dieser Livingston II war es auch, der 33 Sekunden vor dem Ende mit zwei erfolgreichen Freiwürfen zum 87:87 ausgleichen konnte. Beide Teams hatten dann noch die Chance zum Sieg, doch die Würfe von Boeheim und Livingston wurden jeweils geblockt und es ging in die Verlängerung.

Verlängerung (14:20):

Der Start in den Extraabschnitt gehörte den Tigers und hier vor allem Darko-Kelly, der nach zwei erfolgreichen Freiwürfen von Jackson (90:97) sich erst einen Offensiv-Rebound gegen drei Würzburger erkämpfte und den darauffolgenden Dreier eiskalt zum 92:87 versenkte (41. Minute). Würzburg ließ sich allerdings auch durch einen weiteren Dreier von Kapitän Gianni Otto (95:91) nicht abschütteln und verkürzte in Person von Livingston wieder auf 95:94 (43. Minute). Im folgenden Angriff hatten die Tigers dann Pech, dass eine Ausball-Entscheidung nach Anforderung des “Instant Reviews” durch Coach Filipovic zu Ungunsten der Schwaben geändert wurde und Livingston II im Gegenzug zum 96:95 traf. Hitchcock hatte nun endgültig die Regie übernommen. Nach einem Dreier von Boeheim 54 Sekunden vor dem Ende waren plötzlich die Tigers wieder mit 99:98 in Front, doch Livingston hatte heute etwas gegen die Niederlage: Mit seinen Punkten 36 bis 40 sorgte er 16,8 Sekunden vor dem Ende für die 99:103 Führung für seine Würzburger und damit die endgültige Entscheidung. Auch eine letzte Auszeit von Coach Jansson konnte daran nichts mehr ändern und so entführten die Franken am Ende einen denkbar knappen 107:101-Sieg aus der Paul Horn-Arena.

Die Stimmen zum Spiel:

Danny Jansson (Trainer Tigers Tübingen): “Es ist leider immer wieder das gleiche Spiel. Wir sind zwei Mal mit fünf Punkten vorne und schaffen es nicht die Rebounds zu holen. Dazu haben wir keine Stopps geschafft. Otis Livingston war in der Schlussphase nicht zu stoppen. Wenn du aber in 15 Minuten 45 Punkte kassierst, dann kannst du kein Spiel gewinnen. Bis zum dritten Viertel haben wir es ganz ordentlich gemacht. Wir müssen in der Schlussphase einfach besser in der Defense spielen, um solche Spiele gewinnen zu können.”

Saša Filipovski (Trainer Würzburg Baskets): Glückwunsch erst einmal an meine Spieler, das war heute ein sehr schwieriges und hartes Spiel gegen einen starken Gegner. Daher auch viel Respekt an Tübingen. Es wäre auch verdient gewesen, wenn sie das Spiel gewonnen hätten, denn sie haben einen wirklich guten Basketball gespielt. Jhivvan Jackson hat schon in der ersten Halbzeit fünf Dreier getroffen und wir hatten Probleme, ihn zu stoppen. Am Ende war es vor allem wichtig, dass wir nie aufgehört haben, an uns zu glauben. Und dann haben wir einen Weg gefunden, das Spiel für uns zu entscheiden.

Dschungelgeflüster – der etwas andere Blick rund um das Spiel:

Update zum Personal: Das Verletzungspech bleibt den Raubkatzen weiter treu. In der vergangenen Woche verletzten sich gleich drei Spieler im Kader von Trainer Danny Jansson. Till Jönke erlitt nach einem Zusammenprall mit Timo Lanmüller eine Nasenbeinfraktur. Mit einer Maske ist eine zeitnahe Rückkehr in den Trainings- und Spielbetrieb eventuell möglich. Daniel Keppeler knickte mit dem Sprunggelenk um, Georgios Kalatzakis zog sich eine Fingerverletzung zu. Positiv ist jedoch, dass die Ausfälle wahrscheinlich nicht über einen längeren Zeitraum andauern werden. “Wir schauen von Tag zu Tag”, so Jansson. Wir wünschen alle drei Spielern eine schnelle Genesung. Neben dem Trio fehlten weiter Aatu Kivimäki (Plantarfaszie) und Kaodirichi “Kao” Akobundu-Ehiogu (Hand).

Comeback von Philipps: Nach fast drei-monatiger Verletzungspause stand Christoph Philipps in der Partie gegen die Würzburg Baskets wieder im Kader der Tigers Tübingen. Der 25-Jährige wurde am 10. Oktober 2023 bei Dr. Jürgen Fritz vom Orthopädisch Chirurgischen Centrum in Tübingen/Mössingen operiert. Im Laufe des Dezembers machte Philipps wieder diverse Übungen im Training ohne Kontakt. Mit der Mannschaft hat die Nummer 13 der Raubkatzen seit einigen Tagen wieder trainiert. “Es ist Zeit für das Comeback”, sagte Philipps am Morgen des Spieltags gegen Würzburg. In knapp sieben Minuten kam Philipps auf zwei Punkte und einen Rebound. Wir wünschen dem 25-Jährigen für die nächsten Wochen und Monate viel Glück und keine Rückschläge. An dieser Stelle auch ein großer Dank an die Physiobox in Tübingen um Thilo Nowak und seinem Team für die tolle Betreuung in den letzten drei Monaten.

Würzburg mit vorzeitige Anreise: Ein Auswärtsspiel zwischen Würzburg und Tübingen wird in der Regel mit einer Tagesfahrt absolviert. Nicht jedoch die heutige Partie. Aufgrund der bundesweit angekündigten Demonstrationen und Proteste der Landwirte reisten die Würzburg Baskets kurzfristig bereits am Sonntagabend nach Tübingen an, um keine böse Überraschung am Montag auf den Straßen zu erleben und eventuell zu spät zum Spiel zu kommen. Kurzfristig wurde noch eine Trainingseinheit in der Spielhalle eingestreut. Insgesamt eine weise und richtige Entscheidung der Gäste.

von Tobias Fischer