Bild: Pressefoto Ulmer / Markus Ulmer

Chance nicht genutzt! 85:96-Niederlage gegen die HAKRO Merlins Crailsheim

02 Feb 2024

Vor 3.132 Zuschauern in der ausverkauften Paul Horn-Arena, darunter etwa 150 Fans aus Crailsheim, mussten die Tigers Tübingen den nächsten Nackenschlag im Abstiegskampf einstecken. Gegen die HAKRO Merlins Crailsheim haben die Schützlinge von Trainer Danny Jansson mit 85:98 (44:47) verloren. Für die Gäste es im zehnten Anlauf der erste Auswärtssieg. Nach dem grandiosen Derbysieg vergangene Woche gegen den deutschen Meister ratiopharm ulm dachten wahrscheinlich die meisten Tübinger Fans, dass es gegen die auswärts bisher sieglosen HAKRO Merlins Crailsheim wohl auch schon klappen würde. Das, was letzte Woche jedoch geklappt hatte – eine starke Vorstellung in Defensive und Offensive – war heute einfach nicht vorhanden. Zudem kamen wieder unübersehbare Schwächen bei den Rebounds (28:39), die der Mannschaft von Trainer Jussi Laakso viele zweite Chancen ermöglichten. Ganz besonders bitter ist diese Niederlage, da damit auch der möglicherweise entscheidende direkte Vergleich bei Crailsheim liegt. Nur in der Anfangsphase waren die Tigers im Spiel und lagen beim Stand von 7:2 nach zwei Minuten am Weitesten in Front. Die Gäste führte ab Mitte des ersten Viertels fast die gesamte Zeit und hatte am Ende beim 96:85 mit elf Punkten den größten Vorsprung. Einzig positiv an dem Abend war das Comeback von Aatu Kivimäki, der in der langen Auszeit das Werfen nicht verlernt hat und zwölf Zähler erzielte. Topscorer der Raubkatzen wurde wieder einmal Jhivvan Jackson mit 22 Zählern, Neuzugang Evan Maxwell kam auf 14 Punkte. Bei Crailsheim überzeugten neben Topscorer Keandre Cook (27 Punkte) auch der ehemalige französische Nationalspieler Léo Westermann mit 19 Punkten.

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Bereits am kommenden Wochenende steht erneut ein Duell gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt an. Drei Wochen nach dem Hinspiel (95:116-Niederlage) steht das Rückspiel bei der BG Göttingen auf dem Programm. Hochball ist am Sonntag, den 11. Februar 2024, um 15:30 Uhr in der Sparkassen Arena.

Erstes Viertel (18:25):

Die Hausherren starteten stark in die Begegnung und erspielten sich nach zwei Minuten eine 7:2-Führung. Die Tübinger verteidigten bissig, ließen offensiv aber auch ein paar Punkte unglücklich liegen. Eine kleine Schrecksekunde gab es in der dritten Minute als Crailsheims Galin Smith nach einem Zusammenstoß mit Georgios Kalaitzakis mit einer Kopfverletzung behandelt werden musste. Nach dem guten Start blieben die Schwaben dann aber zwei Minuten ohne jeden Korberfolg, was die Gäste ausnutzen und nach vier Minuten mit 9:7 in Führung gingen. Die Tigers wirkten in dieser Phase verkrampft und fanden keine sauberen Abschlüsse. Nach einem Dreier von James Murray-Boyles lagen die Raubkatzen dann in Minute fünf mit 7:12 zurück, ehe ein Korbleger von Kalaitzakis zum 9:12 die Tübinger Durststrecke eine Minute später beendete. Es entwickelte sich eine umkämpfte Begegnung, in der beide Teams spielerisch noch nicht überzeugten konnten. Die Schwaben fanden gegen die bissige Verteidigung der Merlins weiter kaum gute Würfe, während die Gäste aufgrund der Teamfouls der Schwaben immer wieder einfache Punkte an der Freiwurflinie erzielen konnte. Auch bei den Rebounds wirkten die Laakso-Schützlinge entschlossener. In der achten Minute waren es zwei Freiwürfe von Tremmell Darden, die für einen ernüchternden 12:19-Zwischenstand sorgten. Eine Minute später erzielte Elias Baggette für die Gäste zunächst einen Dreier, ehe er im nächsten Crailsheimer Angriff trotz Foul zum 24:14 traf. Jansson hatte genug gesehen und bat zur Auszeit. Bis zur Viertelpause kamen die Tigers bis auf 18:25 heran.

Zweites Viertel (26:22):

Zu Beginn des zweiten Abschnitts kehrte nach viermonatiger Verletzungspause endlich Kivimäki zurück auf das Parkett der Paul Horn-Arena und führte sich nach 65 Sekunden gleich mal mit einem umjubelten Dreier zum 21:25 ein. Die Merlins ließen sich allerdings nicht aus ihrem Konzept bringen und konnten durch zwei Dreier durch Westermann und Luis Wulff wieder etwas Luft zwischen sich und die Raubkatzen bringen (31:23, 13. Minute). In der Offensive der Hausherren lief weiterhin wenig zusammen, auch die Rebounds wurden von den Gästen weitgehend kontrolliert. Und wenn vorne doch mal ein Wurf fiel, war man hinten den berühmten Schritt zu langsam. Beim Stand von 28:39 in der 16. Minute hatte Coach Jansson genug und bat sein Team zur zweiten Auszeit. Zwar wurde die Offense danach etwas besser, defensive Stopps konnten die Schwaben zum sichtbaren Ärger ihres Coaches jedoch weiter nicht generieren. Höhepunkt der Unkonzentriertheiten auf Tübinger Seite war ein Einwurf direkt ins Aus. Rein vom Spielverlauf her hätten die Tigers drei Minuten vor der Pause gefühlt höher als 35:43 hinten liegen müssen. Wie durch Zauberhand legten sie dann aber in der Verteidigung den Schalter um und erzwangen endlich einmal ein paar gute Stopps, die der bullige Center Maxwell vorne veredeln konnte. Nun war Crailsheim kurzfristig von der Rolle, die Tigers gingen 66 Sekunden vor der Pause durch einen Freiwurf von Erol Ersek nach langer Zeit wieder einmal mit 44:43 in Führung, gleichzeitig der Schlusspunkt unter einen 9:0-Lauf der Raubkatzen. Das Ende der ersten Halbzeit gehörte dann aber den Gästen, die mit einer knappen 47:44-Führung in die Katakomben gingen.

Drittes Viertel (16:20):

Auch zu Beginn der zweiten Hälfte fehlte den Tigers die Konstanz. Nachdem die Crailsheimer mit einem Dreipunktspiel durch Smith ins Viertel (50:44, 21. Minute) starteten, gelang den Tigers ein 5:0-Lauf zum 49:50 in der 23. Minute. Erneut wollte den Hausherren dann minutenlang nichts gelingen, sodass die Gäste mit einem 8:0-Lauf auf 49:58 nach 25 Minuten davonziehen konnten. Immer wieder kamen die Gäste dabei zu einfachen Punkten. Jansson musste sein Team in einer Auszeit erneut ins Gebet nehmen. Mit einem Ersek-Dreier zum 52:58 kamen die Schwaben dann aus der Auszeit, allerdings stellte der starke Westermann ebenfalls aus der Distanz wieder auf 61:52 (27. Minute), sodass die Tübinger weiterhin einem Rückstand hinterher liefen. In den letzten drei Minuten setzte dann Kapitän Gianni Otto seine Mitspieler gut in Szene, sodass die Hausherren bis zur Schlussminute vor dem Ende des Viertels noch einmal auf 60:64 verkürzen konnten. Rückkehrer Kivimäki streute in dieser Phase zwei ganz wichtige Dreier ein. Mit der Schlusssirene traf Crailsheims Cook dann noch einen Dreier, sodass es mit einem 60:67-Rückstand ins letzte Viertel ging.

Viertes Viertel (25:29):

Richtig motivierend war der Start ins Schlussviertel aus Tigers-Sicht nicht: Westermann machte direkt im ersten Angriff mit einem Dreipunktspiel zum 60:70 nach 31 Minuten den Rückstand wieder zweistellig. Insgesamt waren die Jansson-Schützlinge wie schon das ganze Spiel viel zu pomadig: Während die Merlins um jeden Ball kämpften, waren die Raubkatzen oftmals nicht gedankenschnell genug. Anstatt sich auf ihre Verteidigung zu verlassen, versuchten sie, das Spiel in der Offensive zu drehen. Und tatsächlich musste Gäste-Coach Laakso nach zwei schnellen Dreiern von Jackson zum 71:76 direkt eine Auszeit nehmen (34. Minute). Danach konnte die Tigers die Merlins-Offensive tatsächlich zwei Mal stoppen, erzielten aber im Gegenzug selbst auch keine Punkte. Es war wie verhext. Die Tigers konnten den Vorsprung einfach nicht entscheidend verkürzen, bis Kalaitzakis gut drei Minuten vor dem Ende auf 77:81 stellte. Der anschließende Angriff endete allerdings wie zu oft in einem offensiven Rebound der Merlins, die sich weiterhin nicht aus der Ruhe bringen ließen. Auf Tigers-Seite versuchte es nun vor allem Kalaitzakis immer wieder mit der Brechstange und kam auch an die Freiwurflinie. Der sonst so sichere Freiwerfer zeigte heute allerdings ungewohnte Schwächen und vergab in dieser Phase vier Freiwürfe. Beim Stand von 77:85 feierten 95 Sekunden vor demnach Ende die Crailsheimer Fans schon den ersten Auswärtssieg der Saison. Am Ende stand eine 85:96-Niederlage der Tigers Tübingen auf der Anzeige fest.

Die Stimmen zum Spiel:

Danny Jansson (Trainer Tigers Tübingen): Das Ergebnis ist so, wie man es erwarten konnte. Wir schaffen es einfach nicht, gegen Mannschaften zu gewinnen, die um uns herum sind. Wahrscheinlich haben wir eine größere Chance in München oder in Chemnitz zu gewinnen. Ich habe keine Erklärung dafür, warum wir heute nicht in einen Rhythmus gekommen sind. Das Selbstvertrauen hat uns total gefehlt. Zu keiner Zeit hatten wir die Kontrolle über das Spiel, auch wenn wir phasenweise herangekommen sind. Danach sind uns immer wieder leichte Fehler passiert. 96 Punkte vor eigenem Publikum zu kassieren, ist natürlich viel zu viel.

Jussi Laakso (Trainer HAKRO Merlins Crailsheim): Das war ein wirklich hartes Spiel, so wie wir es auch erwartet haben. Wir befinden uns in einer schwierigen Saison. Die Mannschaft hat oft gut trainiert und auch gut gespielt, am Ende aber zumeist verloren. Deswegen stehen wir in der Tabelle auch weit hinten. Am Ende hat oft das Selbstvertrauen gefehlt. Heute war es aber nicht so. Die Mannschaft hat sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und mit viel Selbstvertrauen gespielt, auch als Tübingen immer wieder herangekommen ist. Es waren nicht die taktischen Elemente, sondern vielmehr der Einsatz des Teams, der diesen Sieg ermöglicht hat.

Dschungelgeflüster – der etwas andere Blick rund um das Spiel:

Comeback von Kivimäki: Fast exakt vier Monate ist es her, dass Aatu Kivimäki sich im Auswärtsspiel bei RASTA Vechta an der Plantarfaszie verletzt hatte. Seither musste der 26-Jährige viel pausieren und bei Physiotherapeutin Diana Fröschke für sein Comeback schuften. Nach einem positiven Verlauf kehrte der Finne vor wenigen Wochen in die Trainingshalle zurück und machte die ersten Übungen ohne Ball. Seit zwei Wochen trainiert Kivimäki nun wieder mit der Mannschaft. Im Spiel gegen die HAKRO Merlins Crailsheim feierte der Point Guard sein Comeback. In 15:38 Minuten kam die Nummer zwölf der Raubkatzen auf zwölf Punkte (vier von fünf Dreiern, 80 Prozent) und zwei Assists. Wir wünschen Aatu Kivimäki vor allem gesundheitlich viel Erfolg für die Zukunft. Kurz vor der Rückkehr ins Mannschaftstraining steht auch Kriss Helmanis, der nach seiner erlittenen Schulterverletzung im Spiel gegen die Würzburg Baskets seit drei Wochen zum Zuschauen verdammt ist. Till Jönke fehlte im Spiel gegen Crailsheim krankheitsbedingt. Mit Kaodirchi “Kao” Akobundu-Ehiogu (Hand) verfügen die Schwaben somit nur noch über einen Langzeitverletzten. Ein Comeback wird jedoch nicht vor Ende März diesen Jahres erfolgen.

Hometrainer an der Bank: Mit dem Spiel gegen die HAKRO Merlins Crailsheim gehört nun auch ein Hometrainer zu Spieltagsbegleitung der Raubkatzen in der Paul Horn-Arena. “Das ist gut, damit man während den Auszeiten nicht kalt wird”, berichtete Christoph Philipps, der diese Möglichkeit immer wieder in Anspruch nahm. Erstmals in der Paul Horn-Arena auffallend war diesbezüglich Darius Hall von den Artland Dragons in der Saison 2004/2005, als der mittlerweile 50 Jahre alte US-Amerikaner neben der Bank strampelte, um anschließend wieder voll aufgewärmt ins Spiel eingreifen zu können.

Eine Premiere und ein besonderer Gast: Das Spiel zwischen Tübingen gegen Crailsheim wurde am Tisch von Kommissar Christian Eichhorn geleitet. Für den Funktionär aus Hessen war es der erste Einsatz in der Paul Horn-Arena überhaupt. Mitgebracht hat Eichhorn dazu Uli Sledz, der über viele Jahre BBL-Kommissar und einst Spieler im deutschen Basketball-Oberhaus war. Im Jahr 1981 stieg der heute 73-Jährige mit dem TV Langen in die Basketball-Bundesliga auf. Von 1985 bis ins Jahr 2000 leitete Sledz insgesamt circa 2.000 Spiele bis zur Regionalliga. Von 1999 war 2,13 Meter große ehemalige Center dazu viele Jahre als BBL-Kommissar in der ersten Liga aktiv.

von Tobias Fischer