Foto: Dennis Duddek

“Das war mental einfach extrem schwer!” – Nemanja Nadjfei im Interview

27 Feb 2020

Ende August zog sich Nemanja Nadjfeji im Vorbereitungsspiel gegen die Kirchheim Knights eine schwere Knieverletzung zu. Operation und sechs Monate Pause waren die Folge. Am vergangenen Wochenende stand der 19-Jährige beim 91:78-Erfolg der SV03 Tigers in der Regionalliga erstmals wieder auf dem Parkett. Im Interview spricht Nadjfeji über sein Comeback, die Verletzung und seine Pläne für die aktuelle Spielzeit.

Nemanja, wie geht es dir?

Ich fühle mich sehr gut! Aber ich muss noch arbeiten, damit ich wirklich wieder bei 100% bin.

Am vergangenen Wochenende hast du nach sechs Monaten Verletzungspause dein Comeback in der Regionalliga gegeben – wie hat es sich angefühlt?

Sehr schön! Ich habe es unglaublich vermisst, auf dem Feld zu stehen und alles zugeben. Die vielen Fans in der Uhlandhalle haben mir mein Comeback noch schöner gemacht. Es war ein tolles Gefühl, wieder zurück auf dem Feld zu sein.

Mit 21 Punkte, drei Rebounds und zwei Assists hast du gegen den MTV Kronberg auch gleich stark aufgespielt. Hättest du das so erwartet?

Ich erwarte natürlich immer das Beste von mir. Aber nach einer Verletzung, die mich 6 Monate außer Gefecht gesetzt hat, war das natürlich ein super Auftakt. Man darf ja auch nicht zu vergessen, dass ich mit meiner vorherigen Verletzung direkt zuvor auch 4 Monate pausieren musste und insgesamt fast zehn Monate kein Wettkampfspiel mehr bestritten habe. Das ich dann direkt mit 21 Punkten im ersten Spiel erziele, war deshalb auch sehr gut für mein Selbstvertrauen.

Blicken wir nochmal zurück – wie hast du dich in den ersten Tagen nach der Verletzung und auch der Diagnose gefühlt?

Es war sehr schwer! Ich kam ja gerade erst von einer Verletzung zurück, war extrem heiß auf die neue Saison. Und dann so eine Verletzung im ersten Testspiel der Vorbereitung. Das war mental einfach extrem schwer. Ich wusste von Beginn an, dass ich stark bleiben muss und meine Ziele nicht aus den Augen verlieren darf. Aber gerade am Anfang war ich sehr negativ eingestellt. Ich durfte nichts machen, lag dann oft nur im Zimmer, habe Playstation gespielt oder irgendwie anders die Zeit totgeschlagen. Sobald ich aber wieder mehr machen durfte, war es aber schnell auch mental wieder deutlich einfacher für mich und meine Motivation war wieder voll da.

Wie wichtig war in dieser Phase dein Vater für dich? Er hatte während seiner Karriere nie das Pech, langzeitig verletzt zu sein.

Er war sehr wichtig und hat mich immer motiviert! Und falls ich mal von meinem Weg abgewichen bin, hat er mich wieder aufgerüttelt. Sasa hat mich mental sehr unterstütz und mir immer den Spruch gesagt, der mich prägt: „Was dich nicht umbringt, macht dich nur stärker.“ Natürlich hat er mit mir zusammen auch sehr genau auf meine Ernährung geachtet. Denn es ist ja enorm wichtig, dass ich in der langen Pause, in der ich nichts machen durfte, nicht zunehme. Wenn man voll im Training ist, ernährt man sich ja anders, man braucht viel mehr Kalorien. Das wird bei einer Verletzung aber schnell zu Verhängnis. Und das wäre natürlich nochmals ein Rückschlag gewesen, der viel Zeit und Kraft gekostet hätte.

Wie verlief dann die Reha?

Die Reha war anstrengend. In den ersten Wochen nach der Operation hatte ich nur Lymphdrainage, damit die Schwellung im Knie zurückgeht. Danach dann viel manuelle Therapie, damit meine Streckung und Beugung wieder funktioniert. Und dann musste ich Schritt für Schritt alles nochmal lernen. Angefangen beim Gehen bis zum Joggen oder auch Kniebeugen. Das war ein sehr schwerer und langer Prozess. Doch ich habe mein Ziel nie aus den Augen verloren und habe immer alles gegeben, so schnell wie möglich wieder auf dem Parkett zu stehen. Ich bin glücklich und auch stolz, dass ich das in einem sehr schnellen Zeitraum geschafft habe.

Viele verletzte Spieler sagen immer, wie schwer es ist, nur zuschauen zu können. War das bei dir auch der Fall?

Ja, absolut. Das ist sehr schwer. Vor allem in den Phasen, in denen man sieht, dass die Mannschaft einen brauchen könnte. Oder wenn man weiß, dass man der Mannschaft helfen kann, egal welche Kleinigkeiten es denn auch sind. Dennoch habe ich mit allem was ich konnte immer versucht, von der Bank aus zu helfen. Ich habe viel mit meinen Teamkameraden geredet, während dem Spiel versucht, sie immer zu Unterstützen. Und wenn es auch nur so kleine Dinge waren, wie die das ich Shotclock anzusagen, kurz bevor sie abläuft,

Du siehst das Spiel dadurch vielleicht auch aus einer etwas anderen Perspektive – wie hast du die Saison bisher wahrgenommen?

Sehr durchwachsen. Ich meine, dass wir sehr viele Sachen richtig und wir spielen immer wieder auch wunderschönen Basketball. Aber dann verlieren wir öfters die Nerven und verfallen in Schemas zurück, die uns den Sieg kosten. Ich sehe sehr viel Potential in der Mannschaft und bin sehr zuversichtlich, dass wir noch in die Playoffs kommen werden.

Bis zu deinem Comeback in der ProA wird es noch etwas dauern. Wie sehen hier deine Pläne aus?

Natürlich ist es mein Ziel, schnellstmöglich wieder in der ProA auf dem Parkett zu stehen. Ob es dazu kommt, ist aber natürlich nicht nur von meinem Wunsch abhängig, sondern da muss auch Andy Hipsher entscheiden. Ich bin auch noch nicht bei 100 Prozent, da will ich aber natürlich schnell hinkommen. Der Plan ist, dass ich demnächst beginne, mit den Profis zu trainieren. Ich werde da dann alles geben, um mir meine Position zurückzuholen. Ich hoffe, dass ich noch in dieser Saison wieder auf das Parkett der ProA zurückkehren kann.