„Es ist entscheidend, dass alle an einem Strang ziehen“ – Trainer Félix Bañobre im Interview
Félix Bañobre ist am vergangenen Donnerstag von Bochum nach Tübingen umgezogen. In den ersten Tagen […]
Félix Bañobre ist am vergangenen Donnerstag von Bochum nach Tübingen umgezogen. In den ersten Tagen […]

Félix Bañobre ist am vergangenen Donnerstag von Bochum nach Tübingen umgezogen. In den ersten Tagen hat der neue Trainer der Tigers Tübingen die für ihn neuen Örtlichkeiten erkundet, sich mit Mitarbeitern der Geschäftsstelle vertraut gemacht und sich intensiv mit seinem neuen Co-Trainer Troy Culley ausgetauscht. Dass beide Personen Englisch als Muttersprache sprechen, macht die gesamte Kommunikation im sportlichen Bereich natürlich deutlich einfacher. In den kommenden Wochen werden die Weichen für die neue Saison 2026/2027 in der BARMER 2. Basketball Bundesliga gestellt. Primäre Aufgabe des Spaniers ist es, einen schlagkräftigen Kader zusammenzustellen. Im Interview spricht der 55-Jährige über seine ersten Tätigkeiten vor Ort, seine Philosophie sowie die Bedeutung der Fans.
Félix, du bist nun seit wenigen Tagen in Tübingen. Wie haben die ersten Tage in neuer Umgebung ausgesehen?
Ehrlich gesagt habe ich seit meiner Ankunft keine Pause eingelegt. Nach meinem Umzug muss ich immer noch Kisten auspacken (lacht). Dazu haben bereits zahlreiche Besprechungen mit dem Vorstand, General Manager David Keckeis, den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle und meinem Co-Trainer Culley stattgefunden. Das ist für mich von großer Bedeutung, um den Verein aus jeder Perspektive zu verstehen sowie eine klare Struktur und Arbeitsweise zu etablieren. Tübingen hat seine ganz eigene Dynamik, daher nehme ich mir auch die Zeit, die Stadt, die Kultur, die Menschen und das gesamte Umfeld des Vereins kennenzulernen.
Welche Aufgaben erwarten dich in den kommenden Wochen bis zum Beginn der Saisonvorbereitung?
Wir führen derzeit viele wichtige Gespräche, und dieser Prozess wird sich auch in den nächsten Wochen noch fortsetzen. Eine unserer obersten Prioritäten ist es, ein solides Team zusammenzustellen und eine klare Arbeitsstruktur innerhalb der gesamten Organisation zu schaffen. Es ist entscheidend, dass alle an einem Strang ziehen, damit wir von Anfang an für Beständigkeit und Stabilität sorgen können.
Drei Spieler stehen bereits unter Vertrag. Wird es auch Gespräche mit Spielern aus dem Kader der Saison 2025/2026 geben?
Gemeinsam mit dem Management erörtern wir all diese Themen sehr sorgfältig. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist es, die richtigen Entscheidungen für die Zukunft der Organisation zu treffen und ein gesundes Umfeld rund um das Team zu schaffen. Es ist noch zu früh, um über konkrete Entscheidungen zu sprechen. Selbstverständlich wird es jedoch Anpassungen im Kader geben. Ich hatte dazu ein sehr positives Gespräch mit Kapitän Till Jönke. Ich habe sofort seine Leidenschaft für den Basketball und seine Verbundenheit mit dem Klub gespürt. Wir haben viele Ideen ausgetauscht, unser Gespräch hat mir wirklich große Freude bereitet.
Wie sieht dein Plan für den neuen Kader aus?
Ich denke, ein Vorteil für mich ist, dass ich den Kader und die Liga aus einer Außenperspektive beobachten konnte. Das ermöglicht es mir, die Dinge mit klarem Blick zu bewerten. Wir benötigen definitiv einen starken deutschen Kern mit Spielern, die die Werte des Vereins verinnerlicht haben. Gleichzeitig müssen die Importspieler Qualität, Wettbewerbsstärke und Durchschlagskraft mitbringen. Das Wichtigste ist, eine Mannschaft mit dem richtigen Charakter, Beständigkeit und Engagement aufzubauen.
Mit wie vielen Spielern willst du in die Saisonvorbereitung gehen? Wie viele Deutsche, wie viele Importspieler?
Es ist noch zu früh, um genaue Zahlen zu nennen, da wir derzeit viele Aspekte prüfen – darunter das Budget, die Trainingsbedingungen und die gesamte Struktur rund um das Team. Klar ist jedoch: In der ProA ist der deutsche Kern aufgrund der Ligavorgaben und der physischen Anforderungen der Saison extrem wichtig. Wir streben einen Kader an, der Ausgeglichenheit, Tiefe und eine hohe Wettbewerbsintensität im täglichen Training bietet. Zudem ist es uns wichtig, die Verbindungen zur Jugendabteilung und zu unseren Kooperationsteams zu stärken, um einen klaren, durchgängigen Entwicklungsweg innerhalb der gesamten Organisation zu schaffen.
Wann beginnt die Saisonvorbereitung? Wie viele Testspiele sind sinnvoll?
Die Saison beginnt Ende September. Dementsprechend planen wir bereits rückwärts von diesem Zeitpunkt aus. Wir wollen uns genügend Zeit nehmen, um gute Gewohnheiten zu etablieren, die physische Verfassung aufzubauen und die Teamchemie zu festigen, bevor die Saison startet. Die Planung der Saisonvorbereitung läuft bereits – inklusive der Abstimmung von Testspielen, damit wir einen optimalen Vorbereitungsprozess gestalten können, ohne die Spieler dabei zu überlasten. Genaue Termine des Saisonstarts sowie von Testspielen gibt es aber noch nicht.
Gibt es etwas, das du den Fans der Tigers mitteilen möchtest?
Die Fans werden für uns von enormer Bedeutung sein! Eine Sache, die ich bereits öffentlich geäußert habe, ist: Alle, die dem Verein nahestehen, müssen an einem Strang ziehen. Wir müssen gemeinsam eine Identität aufbauen. Eine Identität, die nach meinem Eindruck von außen betrachtet zuletzt ein wenig verloren gegangen ist. Wir wollen die Verbindung zwischen der Mannschaft und den Fans wiederherstellen und ein Umfeld schaffen, in dem die Menschen wieder stolz und voller Begeisterung sind, die Tigers Tübingen zu unterstützen. Für mich geht es dabei nicht allein um Ergebnisse. Es geht um Identität, Zusammenhalt und darum, gemeinsam etwas aufzubauen. Ich möchte, dass die Fans verstehen, was wir vorhaben und wohin unser Weg führen soll. Aus diesem Grund stehe ich auch sehr offen dafür, mich mit den Fans zu treffen und einen ehrlichen, offenen Austausch zu führen.
Wie verfolgst du aktuell die Playoffs in der ProA?
Die Playoffs waren bisher sehr spannend. In einigen Serien stellen die Favoriten ihre Klasse unter Beweis, doch es gab auch Überraschungen. Ich habe die Partie zwischen Kirchheim und Göttingen live verfolgt, die Physis und Intensität in dieser Partie waren beeindruckend. Auch die Serie zwischen Gießen und Crailsheim ist äußerst unterhaltsam. Insgesamt sind das Niveau und die sportliche Intensität der Playoffs sehr sehenswert.