“Die aktuelle Situation erfordert Geduld” – unser neuer Head Coach Danny Jansson im Interview

17 Jul 2020

Momentan pendelt unser neuer Cheftrainer Danny Jansson noch zwischen Tübingen und Ulm, wo er bis Ende Juni als Assistant Coach unter Vertrag stand. Das hindert den 41-jährigen Finnen aber nicht daran, mehrmals wöchentlich ein “Sommertraining” in der Ballspielhalle im Französischen Viertel anzubieten. Vor der Trainingseinheit am gestrigen Donnerstagmorgen haben wir uns mit Danny zum Gespräch zusammengesetzt und dabei einige interessante Einblicke rund um seine neue Aufgabe bei den Tigers Tübingen erhalten.

Danny, seit dem 1. Juli bist du offiziell neuer Head Coach der Tigers Tübingen. Wie lauten deine ersten Eindrücke rund um Office, Stadt und Trainingshalle?

Durchweg positiv. Schon im Vorfeld habe ich gehört, dass Tübingen eine sehr schöne Stadt sein soll. Zugegeben habe ich die meiste Zeit hier bislang in der Geschäftsstelle, in der Trainingshalle und Zuhause verbracht. Aber das, was ich von der Stadt schon sehen konnte, gefällt mir sehr gut. Im Office wurde ich von allen Mitarbeitern mit offenen Armen empfangen und es herrscht bereits ein konstruktiver Austausch. Unsere Trainingshalle ist vielleicht nicht die modernste oder größte, aber sie ist unsere sportliche Heimat und wir finden dort alles vor, um gut arbeiten zu können.

Aktuell trainierst du regelmäßig mit einigen Talenten aus dem Umfeld der Tigers, zu denen auch Matti Sorgius und Mirjan Broening gehören. Siehst du die beiden Youngster als Kandidaten für den ProA-Kader?

Auch wenn es vielleicht ein bisschen komisch klingt, ist das letztlich nicht nur meine Entscheidung. Matti und Mirjan sind auf jeden Fall interessant für uns, haben aber sicherlich auch andere Optionen. Der aktuelle Plan ist es, fünf bis sechs talentierte Nachwuchskräfte mit Doppellizenzen für die ProA und die Regionalliga auszustatten. Wer das sein wird, wird sich in der Saisonvorbereitung und im Training entscheiden. Zwar habe ich noch nicht final entschieden, wer von unseren Talenten die Preseason mit uns bestreiten wird. Sicher ist aber, dass jeder eine faire Chance bekommen wird, sich für den ProA-Kader zu empfehlen.

Neben Enosch Wolf, Roland Nyama und Besnik Bekteshi stehen mit Elias Valtonen und Daniel Keppeler bislang zwei neue Profis für die kommende Saison unter Vertrag. Kannst du uns nochmals erklären, warum du dich für Elias und Daniel entschieden hast?

Vereinfacht gesagt, bringen Elias und Daniel das mit, was wir suchen. Zudem haben beide noch lange nicht ihr Leistungslimit erreicht und besitzen noch eine Menge Entwicklungspotential. Sowohl Elias als auch Daniel sind abseits des Parketts gute Charaktere, was mir sehr wichtig ist. Sie sollen Teil unserer Basketballkultur werden und ihre exzellente Arbeitseinstellung einbringen. Ich freue mich sehr, mit den beiden zusammenzuarbeiten und bin gespannt auf ihre Entwicklung.

Sicherlich hast du dir bereits Gedanken über weitere potentielle Neuzugänge gemacht. Was müssen Spieler, die für dich auflaufen, mitbringen? Wie lautet deine Philosophie vom Basketball?

Wir suchen nach jungen, hungrigen Spielern, die sich beweisen wollen und noch nicht die beste Version von sich selbst erreicht haben. Jeder Spieler, den wir verpflichten, soll ein Puzzlestück eines großen Ganzen sein. Dazu gehört natürlich die Leistung auf dem Court, aber genauso die Arbeitseinstellung und das Verhalten abseits der Halle. Was meine Basketball-Philosophie angeht, bin ich eher ein defensiv-orientierter Trainer. Alles beginnt mit einer engagierten und harten Verteidigung. Offensiv möchten wir eine Art kontrolliertes Chaos spielen: Der Ball soll viel und schnell laufen, dazu erwarte ich viele Cuts und dynamische Züge zum Korb. Generell ist der Trend im Basketball ja, die durchschnittlich erzielten Punkte pro Angriff zu maximieren. Dieser Ansatz spielt bei uns definitiv auch eine Rolle.

Während der Corona-Pandemie gestaltet sich die Spielersuche sicherlich anders als üblich. Welche Schwierigkeiten und vielleicht auch Chancen ergeben sich – bezogen auf den Spielermarkt – durch diese außergewöhnliche Situation?

Die Schwierigkeiten sind klar zu definieren – da geht es uns gleich wie (fast) allen Clubs: Unser Budget wird wesentlich kleiner sein als in den vergangenen Jahren. Außerdem wird vermutlich recht lange unklar sein, wie viel finanzielle Mittel exakt zur Verfügung stehen. Eine Chance – falls die NBA G-League nicht spielen wird – könnte eventuell sein, dass viele US-Amerikaner einen Vertrag bei einem europäischen Club anstreben und möglicherweise für weniger Geld als sonst unterschreiben würden. Jedoch können und wollen wir uns darauf nicht verlassen. Wir werden unserer Aufgabe nachgehen, die richtigen Puzzlestücke für den Kader zu finden. Liebend gerne hätte ich mein Team bis Anfang September vollständig beisammen, doch die aktuelle Situation erfordert einfach Geduld bei der Verpflichtung von Import-Spielern.

Für dich selbst war es eine sehr lange Saison, die als Assistant Coach von ratiopharm ulm mit dem Final-Turnier der easyCredit BBL endete. Was hast du jetzt für den Sommer geplant? Steht ein Besuch in deinem Heimatland Finnland auf dem Programm?

Am Montag werde ich nach Finnland fliegen und dort meine Mutter besuchen. Hoffentlich bleibt auch etwas Zeit für alte Freunde. Richtig Urlaub werde ich allerdings nicht machen, denn die Spielersuche wird auch in Finnland weitergehen. Außerdem werde ich mit unserem Neuzugang Elias Valtonen arbeiten und ihm bei zwei Spielen mit der finnischen Nationalmannschaft gegen Estland zuschauen.

Danny Jansson, vielen Dank für das Gespräch.

von Daniel Bauer