“Jetzt muss ich nochmal ein Stück mehr bringen!” – Nemanja Nadjfeji im Interview

19 Mai 2019

Nemanja Nadjfeji ist der dritte Spieler der vergangenen Saison, der auch in der kommenden Spielzeit das Trikot der Tigers Tübingen tragen wird.Im Interview spricht das Tübinger Eigengewächs über sein erstes Jahr bei den Profis, seine Vertragsverlängerung und persönlichen Ziele für das kommende Jahr.

Nemanja, wie zufrieden bist du mit deiner ersten Saison als Profi?

Persönlich war ich zufrieden mit meiner Leistung. Natürlich hätte ich ein paar Sachen besser machen können. Die Fehler, die ich im Angriff oder der Verteidigung gemacht habe, gehören ja auch zu meiner Entwicklung. Wichtig ist, daraus zu lernen. Aber wenn ich auf dem Parkett stand, wurde das Team nicht schlechter. Ich denke, das ist ein gutes Zeichen dafür, dass ich das Niveau bei den Profis mitgehen kann.

War es eine typische Rookie-Saison, zu der Hochs und Tiefs, Fehler oder schwankende Spielzeiten dazugehören?

Auf jeden Fall! Ich stand zum Beispiel gegen Baunach in der Startformation, habe 20 Minuten gespielt. In Hamburg waren es nur fünf Minuten. Diese Schwankungen der Spielzeit gehören gerade am Anfang einer Karriere dazu. Gleiches gilt aber auch für die eigene Leistung. Sehr guten Auftritten folgen dann welche, die nicht so gut sind. Ich habe mich im Laufe der Saison immer besser eingefunden und am Ende ging es dann eher nach oben und die Tiefs wurden immer seltener.

Du wirst deinen Weg weiter in Tübingen gehen. Weshalb hast du dich entschieden, das Angebot der Tigers anzunehmen und deinen Vertrag um ein Jahr zu verlängern?

Es ist eigentlich einfach! Ich bin seit sechs Jahren in Tübingen, habe hier U14, JBBL, NBBL und Regionalliga gespielt. Jetzt bin ich Teil der Profis. Meine Familie lebt in Tübingen, ich habe hier mein ganzes persönliches Umfeld, Freunde und ich fühle mich in der Stadt und im Verein einfach wohl. Tübingen ist in den letzten Jahren eine Heimat geworden. Deshalb freue ich mich, weiter hier spielen zu können.

Du gehst jetzt in dein zweites Jahr als Profi. Was erhoffst du dir persönlich von der neuen Saison?

Ich werde im Sommer hart daran arbeiten, mich körperlich weiterzuentwickeln. Ich muss vor allem bei der Athletik noch zulegen. Das war nämlich auch einer der Gründe, warum ich letzte Saison noch viele Schwankungen in meinem Spiel hatte. Wenn ich im Sommer hart an meiner Physis arbeite, kann ich den nächsten Schritt in meiner Entwicklung machen.

Mit Doug Spradley wird ein neuer Trainer an der Seitenlinie stehen. Welche Rolle hat er bei deiner Vertragsverlängerung gespielt und wie hast du ihn bereits kennengelernt?

Mein erster Eindruck ist positiv. Er hat direkt nach seiner Vorstellung das Gespräch mit Enosch [Wolf], Besnik [Bekteshi] und mir gesucht. Dieses ist sehr gut verlaufen, wir haben offen und ehrlich miteinander geredet. Er hat mir dabei klar gesagt, was er von mir erwartet und welche Rolle er sich für mich vorstellt.

Was erwartet er sich von dir?

Ich werde wahrscheinlich der jüngste Spieler im festen Kader sein. Und da erwartet er von mir, dass ich immer Energie bringe. Egal ob im Spiel oder Training. Ich darf mich nicht zurücklehnen, sondern muss der sein, der am härtesten arbeitet und muss immer zeigen, dass ich meinen Platz in der Rotation verdienen möchte.

Dein Vater [Aleksandar Nadjfeji, Anm. d. Red.] war bis zur Mitte der vergangenen Saison noch Trainer der Tigers. Was sagt er zu deiner Vertragsverlängerung?

Er ist glücklich über meine Entscheidung. Er sieht es als einen wichtigen Schritt für mich. Ich muss mich unter einem ganz neuen Trainer, der mich nicht kennt, von Beginn an beweisen. Ich werde erstmal weiter hinten in der Rotation stehen, da die deutschen Positionen in der kommenden Saison tiefer besetzt sein werden. Und da will er sehen, wie ich mich in so einer Situation beweisen kann und aus welchem Holz ich geschnitzt bin.

Du sprichst die deutschen Positionen an. Jetzt könnte man meinen, dass das für nicht so einfach ist, wenn diese tiefer besetzt sind, da du mehr um deine Spielzeit kämpfen musst. Oder ist es vielleicht eher hilfreich, wenn dort mehr Qualität vorhanden ist?

Im Training wird mir das sehr viel helfen! Die Konkurrenz wird eine ganz andere sein. Wenn ich mich da beweisen kann, dann wird es auch im Spiel deutlich einfacher sein. Dass ich immer alles geben musste, um Spielzeit zu bekommen, war ja auch letzte Saison bereits der Fall. Nur jetzt muss ich nochmal ein Stück mehr bringen. Das ist positiv!

Nimmt es in gewissen Situationen vielleicht sogar etwas Druck im Spiel von deinen Schultern?

Ich denke gar nicht darüber nach, ob ich Druck habe. Ich möchte einfach mein Spiel spielen und der Mannschaft helfen! Druck ist am Ende eine Kopfsache, die man sich selber macht. Jeder Spieler will spielen und zwar so viel wie möglich. Ich habe auch in der letzten Saison nicht darüber nachgedacht, ob ich gewissen Situationen im Spiel gewachsen bin oder nicht. Wenn ich auf das Spielfeld kam, habe ich alles gegeben. Und das werde ich auch in Zukunft so machen, egal in welcher Situation.

Du bist der dritte Spieler, der bereits im vergangenen Jahr das Trikot der Tigers getragen hat. Wie wird das dir und der ganzen Mannschaft helfen?

Ich bin wirklich froh, dass neben Enosch auch Besnik in Tübingen bleibt. Wir drei waren eigentlich immer die, die zusammen am meisten Spaß hatten. Auf den Auswärtsfahren, aber auch nach dem Training. Die Beiden werden mir in der kommenden Saison auf jeden Fall sehr viel helfen und mich motivieren, besser zu werden. Auch glaube ich, dass es der Mannschaft gut tun wird, wenn wir auf ein Fundament aufbauen können, das die Tübingen bestens kennt und sich mit den Tigers identifiziert!

von Johannes Beyer