Basketball 1. Bundesliga 2023/2024 17. Spieltag 21.01.2024 Tigers Tuebingen – BG Goettingen Georgios Kalaitzakis (li, Tigers) gegen Osaro Rich (re, BG Goettingen) FOTO: Pressefoto ULMER / Markus Ulmer xxNOxMODELxRELEASExx

Nächster Rückschlag! 95:116-Niederlage gegen die BG Göttingen

21 Jan 2024

Unzweifelhaft sind die Verletzungssorgen bei den Tigers Tübingen derzeit enorm. Ohne Defensive unter dem eigenen Korb hatte die Mannschaft von Trainer Danny Jansson auch im nächsten Spiel gegen einen direkten Konkurrenten gegen den Abstieg das Nachsehen. Mit 95:116 (50:57) verloren die Raubkatzen vor 2.990 Zuschauern in der Paul Horn-Arena gegen die BG Göttingen. Besorgniserregend war dabei wie in den letzten Spielen der komplett fehlende defensive Zugriff auf das Spiel. Eine Trefferquote von 68 Prozent erzielten die Göttinger über die gesamte Spielzeit, darunter starke 79 Prozent aus dem Zweierbereich. Auf dem Papier war der Unterschied gar nicht so groß wie der 21-Punkte-Rückstand suggeriert: 13 Freiwurftreffer mehr durch die Tigers Tübingen (22 von 27 Punkte, 81 Prozent), eine eigene Feldwurfquote von 56 Prozent, mehr Assists (25:22) und ausgeglichene Rebounds (23:26). Die Tübinger starteten zwar gut mit einem 5:0-Lauf (zweite Minute), der gleichzeitig die höchste Führung der Hausherren war. Die Schützlinge von BG-Trainer Olivier Foucart nutzte dann allerdings gnadenlos die Räume unter dem verwaisten Tübinger Korb und zogen in der 39 Minute bis auf 24 Punkte (89:113) davon. Topscorer des Spiels wurde Göttingens Umoja Gibson mit 26 Zählern, gefolgt von Grant Anticevich mit 24 Punkten. Auf Tübinger Seite war Jimmy Boeheim mit 23 Punkten bester Punktesammler, Georgios Kalaitzakis und Mateo Šerić kamen auf jeweils 17 Zähler. Letztlich bleibt aber zu notieren, dass ein Shootout in der easyCredit BBL für die Tigers Tübingen nur schwer zu gewinnen ist. Um eine Chance auf den Klassenerhalt zu haben, muss die Verteidigung besser werden.

Hier geht’s zur Statistik! Hier geht’s zu den Highlights!

Die Hinrunde der Saison 2023/2024 ist mit dem Spiel gegen die BG Göttingen beendet. Für die Raubkatzen sprangen dabei vier Siege und 13 Niederlagen heraus, was aktuell Rang 16 bedeutet. Zum Auftakt der Rückrunde geht es für die Jansson-Schützlinge am kommenden Samstag, den 27. Januar 2024, zu ratiopharm Ulm. Spielbeginn ist um 18:30 Uhr in der ratiopharm arena.

Erstes Viertel (24:30):

Angesichts der Personalsorgen (siehe Dschungelgeflüster) musste Coach Jansson ohne gelernten Center beginnen. Die großen Positionen wurden von Šerić, Kalaitzakis und Boeheim bekleidet, Unterstützung bekamen die drei von Jhivvan Jackson und Timo Lanmüller. Dennoch kamen die Tigers gut aus den Startblöcken und gingen nach zwei Minuten schnell mit 5:0 in Führung. Die Göttinger ließen sich dadurch jedoch noch beeindrucken und kamen durch ganz solide Aktionen ins Spiel und konnten in der fünften Minute durch Osaro Jürgen Rich erstmals in Führung (11:9) gehen. Coach Jansson wechselte früh durch und so hatten alle zehn einsatzbereiten Akteure nach knapp sechs Minuten bereits Einsatzzeit erhalten. Die zweite Garde brachte einen neuen Tübinger Schwung und konnte in der siebten Minute in Person von Till Jönke zum 16:16 ausgleichen. Überhaupt machten die Hausherren aus der Not eine Tugend, zogen oftmals mit Energie zum Korb und wurden mit zahlreichen Freiwürfen belohnt. Auch das Duell um die Rebounds wurde mit 7:4 gewonnen. Allein eine bisweilen löchrige Abwehr mit vielen einfachen Punkten der Göttinger sowie eine gegnerische Trefferquote von 56 Prozent aus der Distanz (fünf von neun Treffer) sorgten dafür, dass die Raubkatzen zur ersten Viertelpause mit 24:30 im Rückstand waren.

Zweites Viertel (26:27):

Den besseren Start in den zweiten Abschnitt erwischten die Gäste, die mit neun Punkten in Führung gehen konnten. Nach dem Dunking von Philipp Hartwich zum 35:26 nach zwölf Minuten nahm Coach Jansson seine erste Auszeit. Danach zeigten die Tigers wieder großen Kampfgeist und erzwangen unter anderem durch Lanmüller eine Acht-Sekunden-Regelübertretung der Gäste (13. Minute, 28:35). Nach einer ordnenden Auszeit von Göttingens Coach Foucart in der 15. Minute (39:34) legten seine Schützlinge allerdings einen 7:1-Lauf auf das Parkett und zwangen ihrerseits Jansson beim ersten zweistelligen Rückstand (35:46) knapp eine Minute später zur nächsten Auszeit. Auch danach war in der Offensive der Tigers allerdings reichlich Sand im Getriebe. Boeheim mit 15 Zählern und Kalaitzakis mit zwölf Zählern strahlten in der ersten Halbzeit zwar zuverlässig Gefahr aus, im Gegensatz dazu blieb allerdings Jackson ohne einen einzigen Punkt. 2:19 Minuten vor der Halbzeit gab es eine längere Unterbrechung, als gleich zwei aufeinanderfolgende Aktionen (Schlag gegen Šerić und Foul gegen Kalaitzakis) gegen Göttingen jeweils als unsportliches Foul im Instant Replay gewertet wurden. Aus den vier Freiwürfen inklusive Ballbesitz machten die Tigers allerdings nur drei Zähler zum 44:51 und konnten diese große Chance zum Verkürzen nur bedingt nutzen. So ging es mit einer mittleren Hypothek von sieben Zählern in die Kabinen (50:57).

Drittes Viertel (21:31):

Die zweite Halbzeit begann nach altem Muster: In der Tigers-Verteidigung taten sich riesige Lücken auf und vorne ging zunächst nichts. Nach 22 Minuten beim Stand von 52:63 checkte dann endlich auch Jackson punktemäßig mit einem Dreier zum 55:63 ein und brachte den Rückstand wieder in den einstelligen Bereich. Was als Initialzündung erhofft war, zeigte sich allerdings nur als kurzes Strohfeuer. Die Göttinger spielten einfach weiter ihren Stiefel runter und fanden immer wieder die Löcher in der Tübinger Verteidigung. So pendelte sich der Rückstand in den nächsten Minuten bei sieben bis zehn Punkten ein, ehe zwei kuriose Aktionen in der 28. Minuten das Pendel kurzzeitig Richtung Tübinger Seite ausschlagen ließen. Zunächst ein Kunstwurf von Erol Ersek (67:76) von hinter dem Brett, dann ein clever gezogenes Foul von Jackson, der beide Freiwürfe zum 69:76 traf. Den ersehnten defensiven Stopp bekamen die Raubkatzen allerdings wieder nicht hin und kassierten stattdessen Sekunden später durch Neuzgang David DeJulius den frustrierenden Dreier zum 69:79. Hinzu kam nun eine eklatante Unterlegenheit bei den Rebounds. So ging es mit 71:88 und einem 17-Punkte-Rückstand in das Schlussviertel.

Viertes Viertel (24:28):

Zwei Dreier von Boeheim (74:91, 31. Minute) und Gianni Otto (77:93, 32. Minute) zu Beginn des Schlussabschnittes ließ kurz so etwas wie Hoffnung auf Seiten der Tigers-Fans aufkommen, die durch die Göttinger im Keim erstickt wurde, da sie weiterhin quasi nach Belieben punkten konnten. Eine Trefferquote von 79 Prozent (27 von 34 Versuchen) aus dem Zweierbereich sprachen da eine deutliche Sprache. Die Schwaben versuchten nun, das Spiel in der Offensive zu drehen, was naturgemäß nicht erfolgreich war. Bereits 5:20 Minuten vor dem Ende hatten die Gäste die 100-Punktemauer durch einen einfachen Korbleger von DeJulius durchbrochen. Symptomatisch eine Szene kurz darauf: Vier Tübinger Chancen unter dem Göttinger Korb, teilweise ohne Gegner wurden vergeben und im Gegenzug versenkte Göttingens Fedor Žugić einen völlig freien Dreier zum 104:86. Nun ließen die Tigers sichtbar die Köpfe hängen und nach einem Ballverlust mit einfachem Göttinger Korbleger 1:44 Minuten vor dem Ende waren zaghafte Pfiffe in der Paul Horn-Arena zu hören. Diese waren zwar schnell wieder verstummt, schlussendlich bleibt nach der deprimierenden 95:116-Niederlage gegen einen weiteren direkten Konkurrenten gegen den Abstieg ein schaler Beigeschmack – und die Hoffnung auf eine schnelle Genesung der Verletzten.

Die Stimmen zum Spiel:

Danny Jansson (Trainer Tigers Tübingen): “Es war heute ein Spiel wie vor einer Woche in Weißenfels. Beide Teams sind mit Fehlern in die Partie gestartet. Nach etwa sechs, sieben Minuten haben wir aber den Ball und das Spiel abgegeben und gleichzeitig den Gegner stark gemacht. Dazu haben wir zu viele Fehler und verrückte Sachen gespielt. 57 Punkte im Heimspiel zu kassieren, ist inakzeptabel. Egal, ob es gegen Bayern München oder Göttingen geht. Das geht so nicht. In der zweiten Halbzeit waren wir nochmals kurzzeitig dran, es folgte jedoch wieder der Einbruch. Dazu haben wir die Rebounds nicht geholt und dem Gegner zweite Chancen gegeben. Erneut haben wir den Göttingen aufgebaut, es ist immer das gleiche Spiel. Gegen Ende hat die BG dann noch richtig getroffen und sich wie ein EuroLeague-Team präsentiert. Wir haben viel Arbeit vor uns, keine Frage.”

Olivier Foucart (Trainer BG Göttingen): “Ich freue mich natürlich über diesen Sieg meiner Mannschaft und gleichzeitig für den Klub. Wir müssen auf der Leistung in der Verteidigung in der zweiten Halbzeit aufbauen. Die Offensive war und ist nie das Problem bei uns. Es geht um Intensität und Einsatzbereitschaft in der Defense. Können wir dies an den Tag legen, kann das Team sein gesamtes Potential abrufen.”

Dschungelgeflüster – der etwas andere Blick rund um das Spiel:

Update zum Personal: Erneut konnten die Raubkatzen personell nicht vollzählig antreten. Javon Masters hat die Schwaben anfangs der Woche in Richtung Frankreich verlassen, Joshua Schwaibold weilte mit der Regionalliga-Mannschaft des SV 03 Tigers Tübingen beim Auswärtsspiel bei den ROTH Energie Gießen Pointers. Kao “Kaodirichi” Akobundu-Ehiogu (Hand) wird noch tief in den März hinein fehlen. Für Center Krišs Helmanis (Schulter) kam der Einsatz am vergangenen Wochenende in Weißenfels zu früh, der 21-Jährige muss vorerst pausieren. Positives gibt es bezüglich Aatu Kivimäki zu berichten. Der 26-Jährige wird in den nächsten Tagen schrittweise ins Mannschaftstraining einsteigen. Bisher ist der Point Guard beschwerdefrei. Auch Center Daniel Keppeler (Sprunggelenk) soll in der kommenden Woche wieder mit dem Team trainieren. Dennoch mussten die Raubkatzen die Partie gegen die BG Göttingen mit der Minimumstärke von zehn Akteuren bestreiten.

Ein Neuer und ein Rückkehrer: Die BG Göttingen musste die Partie in Tübingen ebenfalls geschwächt antreten. Center Kārlis Šiliņš wurde wegen seinem disqualifizierenden Spiel in Oldenburg für zwei Spiele (Tübingen, Rostock) gesperrt. Kapitän Harper Kamp fällt mit einer Knieverletzung bis zum Saisonende aus. Sein Debüt im Trikot der Veilchen gab hingegen Neuzugang David DeJulius. Der US-Amerikaner wechselte unter der Woche aus Griechenland zu den Veilchen. Im ersten Einsatz kam der 24-Jährige in 21 Minuten auf 21 Punkte, neun Assists und vier Rebounds. Erstmals nach der Saison 2017/2018 bei den Raubkatzen kehrte Mathis Mönnighoff nach Tübingen zurück. Der Routinier kam in 34 Minuten auf zwei Punkte und drei Rebounds.

Einlage von Unified Basketball: Als sich beide Mannschaften in der Halbzeit in den Kabinen befanden, wurde in der Paul Horn-Arena dennoch Basketball gespielt. Mitglieder von Unified Basketball zeigten ein Einlagenspiel im Modus Fünf gegen Fünf. Dabei treten Menschen mit und ohne geistige Einschränkung ein. Um das Angebot und den Fokus auf Unified Basketball weiter zu schärfen, bietet der SV 03 Tübingen in Zusammenarbeit mit der Universitätsstadt Tübingen sowie der Lebenshilfe in Tübingen einen Workshop an. Dieser findet am Samstag, den 27. Januar 2024, von 10 bis 12 Uhr in der Hermann-Hepper-Halle (Westbahnhofstraße 23, 72070 Tübingen) an. Interessierte können sich per Mail (unifiedbasketball-tueloutlook.com) anmelden. Gesucht werden Spieler- und Spielerinnen sowie Trainer- und Trainerinnen ab 16 Jahren mit und ohne geistige Einschränkung, um eine Unified Basketball-Mannschaft in Tübingen zu gründen.

von Tobias Fischer