Bild: Pressefoto Ulmer / Markus Ulmer

Start-Ziel-Sieg in Tübingen! FC Bayern München Basketball gewinnt mit 96:74

26 Dez 2023

Das große Weihnachtswunder ist nicht eingetreten. In der zum zweiten Mal in Folge mit 3.132 ausverkauften Paul Horn-Arena war die EuroLegaue-Truppe vom FC Bayern München Basketball eine Nummer zu groß für die Tigers Tübingen. Die Mannschaft von Trainer Danny Jansson hat das Weihnachtsspiel gegen das Starensemble aus München mit 74:96 (32:46) verloren. Es war die neunte Niederlage im 13. Saisonspiel für die Raubkatzen, die dennoch weiter auf einem Nicht-Abstiegsplatz stehen. Die Hausherren waren von Beginn an im Hintertreffen, die größte Führung der Bayern betrug satte 24 Zähler beim Stand von 93:69 in der 37. Minute. Die Schwaben lagen ihrerseits überhaupt nicht in Führung. Topscorer der Partie war Münchens Sylvain Francisco mit 20 Zählern, der Franzose erzielte alle seine Punkte in der zweiten Halbzeit. Auf Tübinger Seite war Mateo Šerić mit zwölf Zählern bester Punktesammler beim Verlierer. Neben dem verlorenen Duell um die Rebounds (34:40) war insbesondere die Dreierquote der Gäste mit 47 Prozent (14 von 30 Treffer) ein Schlüssel für die Tübinger Niederlage. Positiv aus Sicht der Jansson-Schützlinge waren 7:2-Ballgewinne. Jhivvan Jackson blieb mit sieben Zählern erst das zweite Mal in 13 Begegnungen bei den Punkten im einstelligen Bereich.

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Am kommenden Samstag, den 30. Dezember 2023, steht der nächste Knaller für die Tigers Tübingen auf dem Programm. Im Derby treten die Jansson-Schützlinge bei den MHP RIESEN Ludwigsburg an. Spielbeginn ist um 20 Uhr in der MHPArena zu Ludwigsburg. Die Barockstädter haben aus den bisherigen zwölf Partien sieben Siege und fünf Niederlagen erzielt. Am morgigen Mittwoch empfängt der kommenden Gegner der Raubkatzen noch die EWE Baskets Oldenburg.

Erstes Viertel (13:28):

Der Favorit aus München startete bärenstark in die Begegnung. Die ersten drei Angriffe schlossen die Bayern durch Leandro Bolmaro, Danke Branković und Devin Booker allesamt erfolgreich aus der Distanz ab, sodass die Tigers nach knapp zwei Minuten bereits mit 0:9 in Rückstand lagen. Nachdem Center-Hühne Branković auf 11:0 für die Bayern erhöhte, nahm Jansson nach drei Minuten eine frühe erste Auszeit. Kalaitzakis gelangen direkt im Anschluss zwar die ersten drei Punkte für die Hausherren zum 2:11, doch die Gäste marschierten unbeirrt weiter. Vor allem Booker und Branković bereiteten der Tübinger Defense große Probleme. Offensiv erspielten sich die Tigers zwar ordentliche Würfe, die allerdings nicht fallen wollten. So lagen die Schwaben in der sechsten Minute bereits mit 3:18 im Rückstand, ehe ein Dreier von Šerić zum 6:18 nach sechs Minuten den Weg durch den Münchner Korb fand. Das Laso-Team war unter den Körben weiterhin körperlich vollkommen überlegen. Deshalb suchten die Hausherren den Erfolg häufig von außen. Zudem sammelten die Bayern Rebound um Rebound (12:3) ein. Ein einseitiges Viertel endete letztendlich mit einem ernüchternden 13:28.

Zweites Viertel (19:18):

Das zweite Viertel war gerade einmal fünf Sekunden alt, da war der Ball nach einem Ballverlust der Raubkatzen direkt wieder bei den Bayern. Altmeister Vladimir Lućić dunkte ihn zum 30:13 in den Tübinger Korb. Der übergroße Respekt der Tigers war weiterhin greifbar. Doch wie durch Zauberhand änderte sich das von einem Moment auf den anderen. Javon Master erzielte nach einem No-Look-Anspiel von Krišs Helmanis einen einfachen Korbleger zum 15:30 nach elf Minuten, der der Start zu einem beeindruckenden 12:0-Lauf der Tigers werden sollte. Angetrieben von den nun begeisterten Fans klappte plötzlich alles und auch eine Auszeit von Coach-Legende Laso konnte den Tübinger Lauf nicht unterbrechen. So stand es auf einmal nur noch 25:30 und die Tigers waren in der 13. Minute wieder im Spiel. Dass es so nicht weitergehen würde, war wahrscheinlich den meisten Tigers-Fans klar, und so kam es dann auch. Unter anderem ein Dreier von Weltmeister Andreas Obst zum 27:37 sorgte dafür, dass die Bayern nach 15 Minuten wieder etwas davonziehen konnten. Nun war es an Coach Jansson, in der 17. Minute beim Stand von 29:41 mit einer Auszeit zu reagieren. Bis zur Pause kamen seine Schützlinge allerdings nicht wieder heran, was neben der Unterlegenheit bei den Rebounds (14:22) vor allem auch der miserablen Dreierquote (ein Treffer bei elf Versuchen, neun Prozent) geschuldet war. Die Bayern waren da mit jedem zweiten Treffer (sieben von 14 Versuchen, 50 Prozent) deutlich besser und so war der Halbzeitstand 46:32 von durchaus leistungsgerecht.

Drittes Viertel (22:28):

Die Tigers kamen schwungvoll aus der Pause zurück und verkürzten den Spielstand nach 40 Sekunden auf 36:46. Einen Booker-Dreier (49:36) beanwortete Šerić (29:49) nach 22 Minuten postwendend. Jimmy Boeheim konnte den Rückstand des Gastgebers in der 23. Minute noch einmal in den einstelligen Bereich bringen (41:49), die Tigers-Fans schöpften wieder Hoffnung. Obst brachte dann mit einem Vier-Punkt-Spiel zum 53:41 in der gleichen Minute wieder etwas Ruhe in die Halle. Wenig später schnappte sich Branković einen offensiven Rebound für die Bayern und erzielte das 55:41 – Jansson bat in der 24. Minute seine Spieler zur Auszeit. Die Tigers agierten in dieser Phase wieder etwas ängstlich beim Abschluss, sodass der Bayern-Express wieder ins Rollen kam. Zaccheus Darko-Kelly beendete in der 26. Minute die offensive Durststrecke der Raubkatze mit einem Dreier zum 44:57. Dennoch wurde die Begegnung nun zunehmend einseitig – nicht zuletzt aufgrund der hohen Trefferquote der Bayern aus der Distanz. In der 28. Minute wuchs der Tübinger Rückstand dann erstmals auf 20 Punkte an (47:67). Mit einem deutlichen 54:74-Rückstand ging es in den letzten Spielabschnitt.

Viertes Viertel (20:22):

Die ersten zwei Minuten im letzten Viertel zeigten die Gäste aus München, dass sie nichts mehr anbrennen lassen wollten. Nach einem Dreier von Francisco zum 80:59 in der 33. Minute glaubte keiner mehr an die große Sensation. Die Tigers gaben das Spiel allerdings zu keiner Zeit auf und kämpften weiterhin um jeden Ball. Kurz kam auf den Tribünen noch einmal Empörung auf, als Kalaitzakis nach einem Steal von Niels Giffey hart abgeräumt wurde. Die Gemüter beruhigten sich jedoch schnell wieder. Der Rückstand pendelte sich nun bei etwa 20 Zählern ein, die Gäste taten nun nur noch das Nötigste. Dazu gehörten die Rebounds, bei denen die Tigers weiterhin ein ums andere Mal das Nachsehen hatten. Hinzu kamen erneut die Foulprobleme von Jhivvan Jackson, der nach einem Foul auch noch frustriert abwinkte und mit einem technischen Foul von Schiedsrichter Clemens Fritz geahndet wurde. Gespielt waren 36 Minuten beim Stand von 66:85 aus Tübinger Sicht. Da dies zugleich sein fünftes Foul war, war der Abend für ihn vorzeitig beendet. Die Gäste aus München brachten den Vorsprung in den letzten Minuten und Sekunden sicher über die Zeit. Nach 40 Minuten stand die Tübinger 74:96-Niederlage fest.

Die Stimmen zum Spiel:

Danny Jansson (Trainer Tigers Tübingen): “Der erste Grund für die Niederlage ist, dass Pablo Laso mir vor circa zehn Jahren nicht beigebracht hat, wenn man eine Basketball-Mannschaft richtig trainiert. Der zweite Grund war, dass wir heute gegen das Logo des FC Bayern München Basketball gespielt haben. Nicht, weil wir einen schlechten Start hatten und schnell mit 0:11 in Rückstand lagen, sondern weil die Körpersprache und die Energie gefehlt haben. Wir sind den Bayern nur gefolgt. Nach fünf Minuten konnten wir unser Spiel besser umsetzen. Im Anschluss sind wir aber wieder in alte Muster verfallen. Dies gilt auch für die zweite Halbzeit. Wir haben insgesamt die große Herausforderung in einem BBL-Spiel gegen den FC Bayern München nicht angenommen und hatten insgesamt zu viel Angst.”

Pablo Laso (Trainer FC Bayern München Basketball): “Ich möchte meiner Mannschaft zu diesem Sieg gratulieren. In der Defense haben wir von Beginn an einen tollen Job gemacht. Unser Start war sehr gut, wir lagen schnell konstant mit zehn Zählern in Front. In der Offense haben wir den Ball gut bewegt, viele Pässe gespielt und immer wieder unsere großen Spieler unter dem Korb gefunden. Unsere Ballbewegung hat den Gegner in der Defense empfindlich getroffen. Wir freuen uns über den Sieg, vor allem auch deshalb, weil wir eine harte Woche haben mit drei Spielen in sechs Tagen.”

Dschungelgeflüster – der etwas andere Blick rund um das Spiel:

Rückkehr von Leutenecker: Im Spiel gegen den FC Bayern München Basketball kam es auch zu einem Wiedersehen mit Jens Leutenecker. Der 37-Jährige ist seit Juli 2020 bei den Münchnern als Data und Business Intelligence Manager tätig. Leutenecker analysiert die Spiele der Bayern sowie der Gegner in der Euroleague, der easyCredit BBL oder auch im BBL Pokal, um Trainer Pablo Laso noch fundiertere Daten zur Vorbereitung auf die zahlreichen Spiele innerhalb einer Saison liefern zu können. “Kurze gesagt, alles was mit Zahlen im Basketball zu tun hat”, so Leutenecker. Dazu gehören auch Analysen zu Social Media, Kundenumfragen sowie die Vorbereitung auf die neue Spielstätte, den SAP Garden in München. Abschließend setzte er mit Steffan Hamann auch den  FC Bayern München Basketball Podcast “Open Court” um. Seit dem Sommer ist der Basketball-Verrückte im positiven Sinn auch als Analytics Coordinator und Assistenztrainer beim Deutschen Basketball-Bundes (DBB) tätig. Leutenecker gehörte auch zum Team des aktuellen Weltmeisters in Fernost, als das deutsche Team am 10. September 2023 den Titel gegen Serbien in Manila auf den Philippinen holte. Von 2015 bis 2018 war der 37-Jährige einst auch als Assistant Coach in Tübingen, dazu als Hallensprecher. Alles Gute für die Zukunft, Jens Leutenecker.

Ohne Ibaka, Edwards und Bonga, mit Giffey und Obst: Im Vorfeld durfte man gespannt sein, mit welcher Mannschaft der FC Bayern München Basketball das Spiel in Tübingen bestreitet wird. Aufgrund der Dreifachbelastung aus Liga, BBL Pokal sowie der EuroLeague und dem großen Kader der Münchner wurden die Spieler Serge Ibaka, Weltmeister Isaac Bonga, Caresen Edwards sowie Nick Weiler-Babb “geschont”. Schön für die Tübinger Fans war jedoch, dass die zwei anderen Weltmeister Niels Giffey (keine Punkte) und Andreas “Andi” Obst (zehn Zähler) mit von der Partie in der Paul Horn-Arena waren. Dazu auch die absoluten Leistungsträger Sylvain Francisco (20 Punkte), Devin Booker (14 Punkte) und Kapitän Vladimir Lučić (13 Punkte). Giffey und Obst wurden auch vom Tübinger Publikum sehr herzlich empfangen.

Fanfahrt nach Ludwigsburg: Der Fanklub Neckar Tigers wird mit zwei Fanbussen die Raubkatzen beim Auswärtsspiel in Ludwigsburg am kommenden Samstag, den 30. Dezember 2023, unterstützen. Am Montagabend waren 98 der 100 zur Verfügung stehenden Plätze vergriffen, wie Dominik Printz von den Neckar Tigers berichtete. Dazu werden sich noch zahlreiche Privatfahrer auf den Weg nach Ludwigsburg aufmachen, damit das Derby auch von der Kulisse ein tolles Ambiente bietet. Dank für den Support! Für Kapitän Gianni Otto sowie Mateo Šerić wird es ein besonderes Spiel, beide Akteure spielte einst vor vielen Jahren in der Jugend noch in der Barockstadt.

von Tobias Fischer