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GER, Ratiopharm Ulm vs. Tigers Tuebingen, 1. Basketball, Bundesliga, BBL, Easy Credit BBL, Spieltag 18, Spielzeit 2023/2024, 27.01.2024, 

Foto: Tigers Tuebingen/Dennis Duddek

Sensation! Tübingen schlägt Ulm im Derby mit 97:76

27 Jan 2024

Was für eine Sensation! Die Tigers Tübingen haben das Derby gegen ratiopharm ulm vor 6.200 Zuschauern in der ausverkauften ratiopharm arena mit 97:76 (56:48) gewonnen. Dazu versauten die Schützlinge von Trainer Danny Jansson die offizielle Verabschiedung von Per Günther (siehe Dschungelgeflüster). Mit dem Erfolg beenden die Raubkatzen damit auch eine Serie von fünf Niederlage in Serie und holen sich zwei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt. Gleichzeitig war es der erste Tübinger Sieg gegen den Erzrivalen aus Ulm seit dem 26. Februar 2011, als den Schwaben ein 84:81-Erfolg in der Ulmer Kuhberghalle gelang.

Die Gäste präsentierten sich an diesem besonderen Abend von einer guten Seite. Im Prinzip war man dem aktuellen deutschen Meister in fast allen Belangen überlegen. Das Team von Trainer Anton Gavel leistete sich über die gesamte Spieldauer aber auch haarsträubende Fehler, welche die Raubkatzen immer wieder gut ausnutzen konnten. Die Ulmer lagen nur kurzzeitig in Front, so beim Stand von 10:8 nach vier Minuten. Das Spiel dominierten aber die Jansson-Schützlinge fast schon nach Belieben. Der Vorsprung wurde Schritt für Schritt ausgebaut, dazu erlaubte man sich keinen folgenschweren Einbruch. Die höchste Führung datierte in Minute 39 beim Stand 95:73. Sogar die Rebounds (35:33) gingen an den Underdog, ebenso die Assists (26:17). Der Schlüssel zum Sieg war jedoch eine aufmerksame Leistung in der Defense, gepaart mit einer starken Quote aus der Distanz (16 von 28 Treffer, 57 Prozent). Topscorer der Begegnung waren Trevion Williams für Ulm und Jhivvan Jackson für Tübingen mit jeweils 19 Punkten. Eine starke Vorstellung lieferte auch Daniel Keppeler mit 15 Punkten und jeweils fünf Rebounds und Assists ab. Mateo Šerić (15 Punkte), Georgios Kalaitzakis (15) und Ersek Ersek (zehn) rundeten mit einer zweistelligen Punktausbeute die tolle Mannschaftsleistung der Tigers Tübingen ab.

Jansson konnte für das Derby zwölf Spieler aufbieten. Aatu Kivimäki (Plantarfaszie) befindet sich im Mannschaftstraining und wird in den kommenden Spieler wieder eine Option aus. Kaodirichi “Kao” Akobundu-Ehiogu (Hand) wird noch bis in den März hinein fehlen. Kriss Helmanis macht Fortschritte mit seiner Schulter, ein Einsatz in Ulm kam jedoch noch zu früh.

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Bereits am kommenden Freitag, den 2. Februar 2024, empfangen die Tigers Tübingen die HAKRO Merlins Crailsheim zum Auftakt des 19. Spieltags der Saison 2023/2024 in der easyCredit Basketball Bundesliga. Ein Sieg gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt ist Pflicht, am besten mit Gewinn des direkten Vergleichs (84:87-Niederlage im Hinspiel). Hochball ist um 20 Uhr in der Paul Horn-Arena. Tickets gibt es im Onlineshop sowie am Spieltag ab 18:45 Uhr an der Abendkasse.

Erstes Viertel (23:31):

Die Raubkatzen starteten in der Defense mit einer Zone und kamen gleich gut ins Spiel. Nach drei Minuten führten die Gäste mit 8:6. Bei den Ulmern sammelte Williams alle Zähler der Hausherren. Auch das 8:8 eine Minute später ging auf das Konto des US-Amerikaners. Karim Jallow holte im Gegenzug mit dem ersten Dunking der Begegnung zum 10:8 die erste Führung für das Gavel-Team. Keppeler und Jackson konterten mit zwei Dreiern in Serie zum 14:10, Gavel nahm bei noch 4:43 Minuten auf der Uhr das erste Timeout im Spiel. Jimmy Boeheim erhöhte direkt im Anschluss mit zwei Freiwürfen auf 16:10. Rückkehrer Keppeler traf erneut aus der Distanz und vollendete einen Tübinger 11:0-Lauf zum 19:10, gespielt waren immer noch erst sechs Minuten. Die Zuschauer trauten ihren Augen nicht, was die Gäste da in den ersten zehn Minuten spielten. Nur Williams konnte sich bei den Ulmern ins Rampenlicht spielen. Erol Ersek traf in Minute acht einen weiteren Dreier zum 26:14. Die Jansson-Schützlinge zeigten sich weiter von ihrer guten Seite. Ersek erzielte in der zehnten Minute per Korbleger das 31:21. Abgeschlossen wurde der erste Abschnitt mit einem Dunking von Georginho de Paula zum 23:31-Zwischenstand aus Ulmer Sicht. Williams war für Ulm mit 14 Zählern Topscorer der Partie, bei den Raubkatzen kam Keppeler auf zehn Zähler. Die Rebounds lagen mit 10:7 bei den Tigers.

Zweites Viertel (25:25):

Gavel wechselte zu Beginn des zweiten Viertels viele Spieler durch. Tübingens Neuzugang Maxwell erzielte bei 8:50 Minuten auf der Uhr aus der Distanz das 36:25. Auch Jansson gab bis auf Till Jönke allen Akteuren schon Einsatzzeit. Bereits nach 108 Sekunden hatten die Schwaben jedoch schon vier Teamfouls gesammelt, Maxwell in kurzer Zeit bereits zwei Vergehen. Juan Núñez traf in Minute 13 einen von zwei Freiwürfen zum 28:36-Zwischenstand. Dazu dunkte Jallow im nächsten Angriff den Ball zum 30:36 in den Tübinger Korb, Jansson nahm Minute in 13 ebenfalls sein erstes Timeout. Mit Erfolg: Seine Schützlinge konnten sich schnell wieder fangen. Nach einem 6:0-Lauf zum 42:30 bat Gavel 6:20 Minuten vor der Halbzeit seine Sportler erneut zum Gespräch auf die Bank. Die Ulmer kamen nur schwer ins Spiel, sammelten zumeist einige Punkte an der Freiwurflinie ein, warfen aber auch zahlreiche Bälle daneben. Philipps erzielte in Minute 17 per Korbleger das 44:35, jedoch holte sich Maxwell schon sein drittes Foul ab. Die Ulmer leisteten sich in der Defense zudem viele Fehler, welche die Gäste gut ausnutzen konnten. Nach fünf Zählern in Serie für das Gavel-Team nahm Jansson 106 Sekunden vor der Halbzeit beim Stand von 47:43 sein zweites Timeout. Ein Dreier von Mateo Šerić mit seinen ersten Zählern, ein Dunking von Keppeler und zwei Freiwürfen von Kalaitzakis zum 54:43 waren die gute Antwort der Tigers in Minute 20. Final ging es mit dem Zwischenstand von 56:48 für die Tigers in die Halbzeitpause. Topscorer der Partie war weiter Williams mit 14 Zählern, bei Tübingen war Keppeler bei 13 Punkten angelangt. Die Rebounds lagen mit 16:13 bei Tübingen. Mit der ersten Halbzeit konnten die Raubkatzen sehr zufrieden sein, wenngleich sich die Ulmer nicht in ihrer besten Verfassung präsentierten.

Drittes Viertel (21:26):

Das dritte Viertel begann nach 25 Sekunden mit einem unsportliches Foul von Kalaitzakis gegen Thomas Klepeisz beim Dreier. Doch der Kapitän legte beide Freiwürfe daneben. Šerić erzielte in Minute 22 per Dreier das 61:51, die Gäste waren weiter gut im Spiel gegen den großen Favoriten. Das Spiel nahm von Ulmer Seite nun etwas mehr an Fahrt auf, doch die Raubkatzen konnten sich noch behaupten. Jackson traf in Minute 25 einen weiteren Dreier zum 67:57. Gavel musste nun seine besten Leute bringen, um die Begegnung zu drehen. Doch die Jansson-Schützlinge wehrten sich weiter mutig und engagiert. Nach dem nächsten Dreier von Šerić zum 70:59 nahm der Ulmer Trainer 4:13 Minuten vor Ende des dritten Abschnitts sein nächstes Timeout. Zu viel konnte Gavel im Auftritt seiner Mannschaft nicht gefallen. Bezeichnend war im Anschluss ein unsportliches Foul von Robin Christen an Šerić, der in Minute 27 mit zwei Freiwürfen das 72:59 erzielte. Die Ulmer Fans warteten auf das Comeback ihrer Lieblinge, doch noch mussten sie darauf warten. Ersek per Dreier und ein Zweier von Šerić führten zum 77:61 in Minute 28, Gavel nahm erneut eine Auszeit. Es war bis dato zudem die höchste Tübinger Führung in der Partie. Tigers-Kapitän Gianni Otto stellte diese Marke in Minute 29 per Dreier zum 80:63 aus der Distanz ein. Final ging es einer 82:69-Führung für die Raubkatzen in den Schlussabschnitt. Williams war mit 17 Zählern weiterhin Topscorer der Partie, bei Tübingen kamen Šerić und Jackson auf jeweils 15 Punkte. Die Rebounds lagen mit 26:16 weiter bei den Gästen.

Viertes Viertel (7:15):

Williams erzielte in Minute 32 mit zwei Punkten das 71:82. Die Tigers warteten noch auf etwas Zählbares. Kalaitzakis traf im Gegenzug einen von zwei Freiwürfen zum 83:71, nachdem zuvor Keppeler beide Freiwürfe nicht im Korb unterbrachte. Eine Minute später traf Jackson einen weiten Dreier zum 86:71. Die Ulmer wirkten völlig von der Rolle und erlaubten sich schwere Fehler an beiden Enden des Feldes. Kalaitzakis erzielte in Minute 34 das 88:73, die Trefferquote nahm nun auf beiden Seiten etwas ab. Die Jansson-Schützlinge ließen nun auch mehrere Würfe unnötig liegen. War etwa die Angst vor dem Gewinnen da? Die Antwort hatte Zaccheus Darko, der 4:16 Minuten vor dem Ende per Dreier das 91:73 erzielte. Gavel nahm daraufhin sein letztes Timeout. Die Sensation lag in der Luft. Jackson erzielte mit zwei Freiwürfen in der 37. Minute das 93:73, die Gäste waren auf der Zielgeraden zum Sieg. Gleichzeitig war es eine neue höchste Führung für die Raubkatzen im Spiel. Und dieses Mal brachten die Jansson-Schützlinge den Vorsprung über die Ziellinie. Maxwell bewies, dass er auch von der Linie ein sicheres Händchen hat. Der Neuzugang legte in Minute 39 zwei Freiwürfe zum 95:73 in den Ulmer Korb. Am Ende stand ein 97:76-erfolg für die Tigers Tübingen fest. Was für eine Sensation!

Die Stimmen zum Spiel:

Danny Jansson (Trainer Tigers Tübingen): „Wir hatten die Ehre an Per Günthers Trikot-Retirement spielen zu dürfen. Und, egal wie sehr wir Ulm lieben, wollten wir heute ein wenig der Spielverderber sein. Ich denke in den ersten fünf bis zehn Minuten haben wir defensiv ein anderes Gesicht gezeigt als zuletzt. Wir kamen mit viel Energie, haben effektiv zweite Chancen geholt und konnten trotz kleinerer Fehler die Kontrolle behalten. Wir haben in der Folge immer weiter gemacht und uns davon nicht abbringen lassen. Ulm spielt im EuroCup, war unter der Woche gefordert und spielt aktuell mit kleinerer Rotation – heute haben sie nur 22 Prozent von außen geworfen, was uns sicherlich geholfen hat. Dennoch haben wir offensiv sehr effektiv agiert und die Energie über die komplette Spielzeit gehalten – das ist das Ergebnis.“

Anton Gavel (Trainer ratiopharm ulm): „Bevor wir anfangen, erstmal Glückwunsch an Per Günther zu seinem Trikot-Retirement – es ist mehr als verdient. Ebenso Glückwunsch an Trainer Danny Jansson für den verdienten Sieg. Unsere Leistung war heute erbärmlich. Wir haben uns vorgenommen, den Ton anzugeben, was wir allerdings von Beginn an nicht umgesetzt haben. 31 zugelassene Punkte im ersten Viertel sind definitiv zu viel. Das hat direkt offenbart, dass wir nicht bereit waren, den Kampf anzunehmen. Wir haben gedacht, dass wir das Spiel im Vorbeigehen gewinnen können und haben dafür die Quittung bekommen. Im letzten Viertel hat sowohl Charakter als auch Kampfgeist gefehlt und am Ende sind es 97 gegnerische Punkte – so kannst du kein Spiel gewinnen. Es ist das dritte Spiel, dass wir auf diese Art und Weiße verlieren.“

Dschungelgeflüster – der etwas andere Blick rund um das Spiel:

Gänsehautmoment für Per Günther: Das Derby zwischen Ulm und Tübingen stand ganz im Zeichen der offiziellen Verabschiedung von Klub-Legende Per Günther, der das Ulmer Trikot von 2008 bis 2022 trug. Insgesamt absolvierte der 35-Jährige satte 500 Partien für ratiopharm ulm in der easyCredit Basketball Bundesliga. Vor der Partie wurde das Trikot von Günther mit der Nummer sechs unter das Hallendach gezogen. Dafür standen unter anderem seine ehemaligen Weggefährten Danny Jansson, Till Jönke, Timo Lanmüller und Christoph Philipps aus gemeinsamen Ulmer Zeiten in einem Günther-Shirt Spalier beim Einlauf. “Seinen Abschied konnten wir nur mit einer Meisterschaft ertränken. Ich kann mir keinen anderen Spieler vorstellen, der es mehr verdient hat, dass sein Trikot unter dem Hallendach hängt”, sagte Dr. Thomas Stoll, Geschäftsführender Gesellschafter bei ratiopharm ulm. Günther selbst hielt eine witzige und emotionale Rede, das Publikum feierte den Ulmer Helden. “Ich bin euch allen unendlich dankbar, was ich hier in Ulm in der ratiopharm arena alles erlebt haben dürfen”, so Günther. Seine langjährige Nummer wird in Ulm nun zukünftig nicht mehr vergeben, verdient hat es sich der Blondschopf auf jeden Fall. Die Tigers Tübingen wünschen Per Günther für die Zukunft alles Liebe und Gute! Gleichzeitig ist es für uns eine Ehre, dass die herausragende Persönlichkeit in Basketball-Deutschland das Spiel und Derby gegen Tübingen für seinen Abschied ausgesucht hat.

Debüt von Evan Maxwell: Sein Debüt im Tübinger Trikot absolvierte Neuzugang Evan Maxwell. Unter der Woche ging dann doch alles sehr schnell. Vertragsunterzeichnung am Dienstag, am Mittwoch Abflug aus Indianapolis in den USA nach Stuttgart, Organisatorisches am Donnerstag, Medical Check und erstes Training am Freitag und am Samstag gleich das Derby zwischen Ulm und Tübingen. Die ersten Eindrücke sind positiv. “Genau so einen Spieler haben wir aufgrund der Personallage jetzt benötigt”, sagte Trainer Danny Jansson nach dem ersten Training am Freitagvormittag. Gegen Ulm wurde der 28-Jährige gleich gegen den nationalen Titelträger bei imposanter Atmosphäre in der ratiopharm arena ins kalte Wasser geworfen. In knapp 14 Minuten kam der Center auf fünf Punkte und drei Rebounds. Für den Anfang nicht schlecht. Nun heißt es für Jansson und die Mannschaft, den Neuzugang weiter zu integrieren, um gut gerüstet für das Duell gegen die HAKRO Merlins Crailsheim am kommenden Freitag, den 2. Februar 2024 (20 Uhr, Paul Horn-Arena) zu sein.

Tübinger Fanboykott in Ulm: Das Derby fand vor 6.200 Zuschauern statt. Abermals war die ratiopharm arena ausverkauft. Jedoch ohne Tübinger Fans der Neckar Tigers sowie der Gruppierung Massimo 03 Tübingen. “Die Eintrittspreise sind der Grund, warum wir das Spiel boykottieren”, sagt Dominik Printz, Vorsitzender des Fanklubs Neckar Tigers. Tickets ab 35 Euro aufwärts für einen Erwachseneren, 29 Euro und mehr für ermäßigte Karten sind die Ticketpreise für die Fans der gegnerischen Mannschaften der Ulmer Spatzen. “Das ist des Guten zu viel, obwohl wir natürlich Lust auf das Derby gehabt hätten. Dazu kommen ja noch die Kosten für die Hin- und Rückfahrt sowie für die Verpflegung”, so Printz. Schade für die Mannschaft der Raubkatzen, inhaltlich aufgrund der Kosten aber verständlich.

von Tobias Fischer