Bild: Pressefoto Ulmer / Markus Ulmer

Befreiungsschlag geglückt! Tigers Tübingen schlagen den SYNTAINICS MBC aus Weißenfels mit 88:78

09 Mrz 2024

Vor 2.757 begeisterten und erleichterten Fans in der Paul Horn-Arena gelang den Tigers Tübingen ein enorm wichtiger 88:78 (46:44)-Erfolg gegen den SYNTAINICS MBC aus Weißenfels im Abstiegskampf der easyCredit BBL. Zwar konnte der direkte Vergleich nach der 78:114-Niederlage im Hinspiel erwartungsgemäß nicht gewonnen werden, dennoch bringt der sechste Saisonsieg in dieser Saison etwas Luft im Kampf um den Klassenerhalt. Das zuletzt immer wieder spielentscheidende dritte Viertel meisterten die Raubkatzen diesmal bravourös und erzielten hier den letztlich entscheidenden 16:0-Lauf zum 62:46 nach 25 Minuten. Am Ende kamen die Gäste von Predrag Krunić zwar nochmals bis auf 76:85 in der 39. Minute heran, doch die Tigers ließen sich die Butter heute nicht mehr vom Brot nehmen. Angeführt von Topscorer Mateo Šerić, der mit 19 Punkten und sechs Rebounds ein echter Leader und RAMPF-Spieler des Tages war, trafen auch noch Jimmy Boeheim (zwölf Punkte), Georgios Kalaitzakis (zwölf Punkte) und dem im Schlussviertel bärenstarken Erol Ersek mit 13 Zählern auf eine zweistellige Punktausbeute. Bei den Gästen punktete Charles Callison mit 22 Zählern am häufigsten. Insgesamt war es jedoch eine ausgeglichene Mannschaftsleistung, was nicht zuletzt die 23 Assists der Schwaben beweisen. Dass das Team von Trainer Danny Jansson heute bereit für den Abstiegskampf war, zeigt auch das – wenn auch nur knapp – mit 31:30 gewonnene Duell um die Rebounds. Ein weiterer Garant für den Erfolg war die gute Quote aus der Distanz. Zehn Treffer bei 22 Versuchen bedeuteten gute 45 Prozent. Der größte Vorsprung der Tigers betrug im Schlussabschnitt 20 Punkte beim Stand von 78:58 nach 34 Minuten. Die höchste Führung des SYNTAINICS MBC aus Weißenfels war das 3:0 in der ersten Minute.

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In einer Woche steht für die Raubkatzen das Auswärtsspiel bei ALBA BERLIN auf dem Programm. Hochball ist am Samstag, den 16. März 2024, um 18:30 Uhr in der Mercedes-Benz-Arena.

Erstes Viertel (19:16):

Die Tigers starteten bissig ins Spiel und sorgten mit harter Defense dafür, dass sich die Gäste schwer taten, einfache Würfe zu kreieren. Folglich suchte das Team aus Sachsen-Anhalt häufig den Erfolg aus der Distanz. Offensiv lief der Ball gut durch die Reihen, die Tigers präsentierten sich als Einheit. Dennoch unterliefen auch den Hausherren in der Anfangsphase einige Ballverluste und Fehlwürfe. So stand nach vier Minuten ein mageres 6:6 auf der Anzeigetafel der gut gefüllten Paul Horn-Arena. Während es für die Gäste in den nächsten Minuten etwas besser lief, schien der Korb des SYNTAINICS MBC wie vernagelt. Es sollte bis zur sechsten Minute dauern, ehe Šerić an der Freiwurflinie die nächsten Tigers-Zähler erzielen und auf 8:9 verkürzen konnte. In der achten Minute gelang den Raubkatzen dann durch Christoph Philipps ein Feldkorb. Einen tollen Pass von Kapitän Gianni Otto verwertete der 25-Jährige zum 12:13. Eine Minute später war es Krišs Helmanis, der aus der Distanz zur ersten Tübinger Führung (15:13) traf – erneut kam der Assist von Otto.  Ein umkämpftes erstes Viertel ging mit einem knappen 19:16 an die Hausherren.

Zweites Viertel (27:28):

Der kleine Tübinger Lauf setzte sich nach 15 Sekunden durch Boeheim zum 21:16 fort. In der Folge fanden die Gäste aus Mitteldeutschland allerdings immer wieder Lücken in der bis dahin bissigen Tigers-Defense und konnten durch einen Dunking von Jonathan Dunn in der 13. Minute zum 23:23 ausgleichen. Die Raubkatzen taten sich nun ihrerseits schwer gegen die Verteidigung der Gäste und fanden keine einfachen Würfe mehr. Folglich gingen der SYNTAINICS MBC in der 15. Minute mit 30:28 in Führung, was Jansson zu einer Auszeit bewegte. Offensiv lief es danach auch gleich besser. Nach einem 5:0-Lauf (33:28 für Tübingen) binnen 60 Sekunden durch Boeheim und Kalaitzakis bat nun auf der Gegenseite Coach Krunić zum Gespräch. Kurz darauf betrat mit Till Jönke auch der zwölfte Akteur der Tigers das Parkett und brachte neue Energie. Die Raubkatzen behaupteten durch eine beherzte und energiereiche Leistung den erarbeiteten knappen Vorsprung auch in den nächsten Minuten, auch wenn die Verteidigung nicht mehr so sicher stand wie im ersten Viertel. Nach einem Ballverlust konnte das Krunić-Team jedoch 90 Sekunden vor der Pause durch Jonathan Stove zum 40:40 wieder ausgleichen. Jansson sah sich zu seiner zweiten Auszeit genötigt, um die nun spürbare Unsicherheit abzuwenden. Jönke allerdings blieb eiskalt und versenkte aus der Ecke einen immens wichtigen Dreier zum 43:42 in der Schlussminute der ersten Halbzeit. Dass die Tigers auch mit einem denkbar knappen 46:44-Vorsprung in die Kabinen gehen konnten, verdankten sie dann Philipps, der mit Ertönen der Sirene einen weiteren Dreier versenkte.

Drittes Viertel (20:12):

Die Tigers starteten stark ins dritte Viertel. Zwar gingen die ersten zwei Zähler zum 46:46 in Minute 21 auf das Konto von Callison, doch in den nächsten vier Minuten waren es die Tigers, die ihre Krallen ausfuhren. Zunächst griff sich Šerić gleich zwei Offensiv-Rebounds, um dann das 48:46 in der 22. Minute zu erzielen. Kurz darauf erhöhte Boeheim zum 50:46. Erneut war es zudem die Tübinger Defense, die es den Gästen schwer in der Offensive machte. Für die bis dahin höchste Führung sorgte Aatu Kivimäki, der in der 23. Minute aus der Distanz das 53:46 erzielte. Eine Minute später erzielte Kalaitzakis das 57:46 und zwang Krunić zur frühen Auszeit. Doch auch nach der Auszeit waren es zunächst die Raubkatzen, die weiter punkteten und hinten bissig blieben. In der 25. Minute führten die Hausherren plötzlich mit 62:46. Die Gäste blieben knapp fünf Minuten ohne einen Zähler – das Jansson-Team legte einen 16:0-Lauf auf das Parkett. Leider sollte es aber so nicht weitergehen. Es folgten zwei Minuten, in denen die Tübinger Basketballer keine weiteren Zähler erzielen konnten, allerdings konnten sich die Schwaben auf ihre Defense verlassen,  sodass der Vorsprung zunächst zweistellig blieb. Dennoch war nun der Tübinger Rhythmus dahin. 74 Sekunden vor dem Ende des Viertels konnte BBL-Legende John Bryant den Rückstand seines Teams wieder in den einstelligen Bereich bringen. Der 36-Jährige erzielte an der Freiwurflinie das 56:64 – die Tigers wackelten wieder. Angepeitscht vom Publikum nahmen die Raubkatzen letztendlich eine 66:56-Führung mit ins Schlussviertel.

Viertes Viertel (22:22):

Das zuletzt so schwache dritte Viertel hatten die Schwaben also gemeistert. Auch der Schlussabschnitt begann vielversprechend mit dem ersten Dreier von Ersek zum 69:56 (31. Minute). Kivimäki ließ wenige Sekunden später einen weiteren Distanzwurf zum 72:56 folgen, Boeheim vollendete mit einem Freiwurf zum 73:56 den perfekten 7:0-Start nach 32 Minuten. Ersek hatte sein Visier nun richtig eingestellt und versenkte mit Ablauf der 24-Sekunden-Uhr einen weiteren Dreier zum 78:58 (34. Minute), ehe Helmanis das erste Tübinger Opfer der eigenen intensiven Defense wurde und mit seinem fünften Foul auf der Bank Platz nahm. Die Gäste zeigten nun Nerven und verloren ihrerseits Kostja Mushidi in der 35. Minute (Spielstand 78:60) nach einem unsportlichen Foul an Evan Maxwell und einem technischen Foul. Eigentlich lief also alles für die Tigers, die nun jedoch scheinbar die berühmte Angst vor der eigenen Courage bekamen. So konnte der Tübinger Kontrahent bis zur 37. Minute auf 67:80 verkürzen, doch die Schwaben überstanden auch diese psychologisch wichtige Phase. Kalaitzakis und der überragende Šerić erhöhten knapp drei Minuten vor dem Ende wieder auf 85:70 und sorgten für entspanntere Gesichter auf der Tübinger Bank. Zwar gaben sich die Weißenfelser nicht auf und verkürzten weiter auf 76:85, doch 49 Sekunden vor dem Ende sorgte Ersek mit seinem dritten Dreier im Schlussabschnitt zum 88:76 schließlich für die endgültige Entscheidung. Der Rest war Erleichterung und Freude pur.

Die Stimmen zum Spiel:

Danny Jansson (Trainer Tigers Tübingen): “Ich freue mich natürlich über diesen Sieg, der uns nach schwierigen Wochen wieder mehr Hoffnung gibt. Man hat heute gesehen, dass viele Kleinigkeiten einen Einfluss auf das große Ganze haben können. Defensiv haben wir heute über weite Strecken eine gute Leistung abgeliefert. Die letzten fünf Minuten waren jedoch wieder etwas chaotisch. Kein Wunder, nach vielen verlorenen Spielen in den letzten Wochen. Die Nervosität vor dem Sieg war enorm. Positiv ist, dass wir den Sieg nach Hause gefahren haben und die nächsten Aufgaben mit neuer Energie angehen können.”

Predrag Krunic (Trainer SYNTAINICS MBC): “Glückwunsch an die Tübinger Mannschaft zu diesem verdienten Sieg. Unser Auftritt war heute zu wenig, um das Spiel zu gewinnen. Defensiv haben wir das Potential deutlich besser zu spielen. Das ist uns heute aber nicht gelungen. Dazu haben wir in der Offensive viele freie Würfe nicht getroffen. Das sind die Gründe für die Niederlage. Ich bedanke mich bei unseren Fans, die uns hier in Tübingen unterstützt haben.”

Dschungelgeflüster – der etwas andere Blick rund um das Spiel:

Jackson verletzt: Die Tigers Tübingen mussten im Spiel gegen den SYNTAINICS MBC aus Weißenfels ausgerechnet auf Jhivvan Jackson verzichten. Der 25-Jährige verletzte sich im Training unter der Woche am rechten Sprunggelenk. Wie lange der US-Amerikaner ausfallen wird, kann noch nicht abgeschätzt werden. “Glücklicherweise sind das Syndesmoseband sowie die Knochen nicht beschädigt”, berichtete Prof. Dr. Markus Küper von der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Tübingen nach Auswertung der Bilder einer Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) in der Radiologie am Universitätsklinikum Tübingen. Jackson wird seither und in den kommenden Tagen intensiv physiotherapeutisch betreut, sodass eine schnelle Rückkehr in den Trainings- und Spielbetrieb hoffentlich möglich ist.

Darko-Kelly verletzt: Im letzten Mannschaftstraining am Freitag verletzte sich auch noch Zaccheus Darko-Kelly. Der 26-Jährige knickte ebenfalls mit dem Sprunggelenk. Nach der Erstversorgung in der Berufgenossenschaftlichen Unfallklinik in Tübingen wurde noch am gleichen Tag eine Magent-Resonanz-Tomografie (MRT) am linken Sprunggelenk in der Radiologie am Universitätsklinikum Tübingen durchgeführt. Wie für Jackson, war auch für Darko-Kelly ein Einsatz im Spiel gegen den SYNTAINICS MBC aus Weißenfels nicht möglich. “Die Verletzung scheint nach den Bildern nicht schlimm zu sein. Wir werden schauen, wie sich der Fuß in den nächsten Tagen hinsichtlich der Schwellung verbessert”, so Prof. Dr. Küper. Wir wünschen unseren beiden Spielern eine schnelle Genesung, im baldmöglichst wieder in den Trainings- und Spielbetrieb zurückkehren zu können.

Zwei Premieren von Offiziellen: Erstmals in dieser Saison 2023/2024 war Schiedsrichterin Anne Panther für eine Partie in Tübingen eingeteilt. Die 41-Jährige gehört zu den besten Referees, was die Liga zu bieten hat. Mit dem Verlauf hatte Panther mit ihren zwei Kollegen Armin Mutapcic und Alexander Moskovic keine Probleme. Ein souveräner Auftritt, vor allem von der 41-Jährigen. Auch auf internationaler Ebene ist die gebürtige Schweriner im Einsatz und pfeift Spiele in der EuroLeague sowie im EuroCup. Als Schiedsrichter-Beobachter war in der heutigen Begegnung gegen den SYNTAINICS MBC aus Weißenfels Dr. Winfried Gintschel eingeteilt. Auch für den Ehren-Präsidenten des Bayerischen Basketball-Verbands (BBV) war es der erste Einsatz in dieser Runde in Tübingen. Dr. Gintschel war von 2003 bis 2015 Präsident des Verbands in Bayern. Witzig: Der 61-Jährige stammt wie Hallensprecher Claus Sieghörtner gebürtig aus dem fränkischen Uffenheim.

von Tobias Fischer