Foto: Pressefoto Ulmer / Markus Ulmer

Tiger gegen Ritter: Lokalduell oder ein echtes Derby?

17 Nov 2018

Am Sonntag (15 Uhr, Paul Horn-Arena) empfangen die Tigers Tübingen den Lokalrivalen Kirchheim Knights im Dschungel. Beide Standorte trennen nur knapp 45 Kilometer Fahrtstrecke mit dem Auto. Ganz klar ein Derby – oder doch nicht?

Was macht ein Derby aus? Laut Wikipedia ist ein Derby ein Spiel, bei dem „zwei meist rivalisierende Sportvereine einer Region aufeinandertreffen.“ Doch kann man auch von einem richtigen Derby sprechen? Also so einem, wie gegen Ulm oder Ludwigsburg? Denn gehört zu einem Derby nicht nochmals ein Stückchen mehr, als nur die örtliche Nähe? Wikipedia sagt, dass Derbys für die Fans eine „symbolische Bedeutung“ besitzen. Doch woher soll diese kommen? Im Profibereich sind die Tiger und die Ritter von der Teck noch nie in einem Punktspiel aufeinandergetroffen. Es gibt noch keine Geschichten zu erzählen, noch keine enttäuschten Fans und Spieler, denen in letzter Sekunde das Herz gebrochen wurde, es wurden noch keine Schlachten auf dem Parkett geschlagen. Es gibt bisher weder Gewinner noch Verlierer. Das Blatt ist leer und die Geschichte des Derbys zwischen Tübingen und Kirchheim muss erst geschrieben werden.

Die Zutaten liegen bereit!

Die Zutaten für ein echtes Derby sind aber auf jeden Fall vorhanden! Da wäre zunächst die räumliche Nähe, die wie erwähnt, ohne Frage gegeben ist! Kein Team der BARMER 2. Basketball Bundesliga oder easyCredit BBL liegt näher an Tübingen als Kirchheim. Auch Ulm (circa 100 km) und Ludwigsburg (circa 60 km) sind nochmals ein gutes Stückchen weiter entfernt. Die Grundlage für ein echtes Derby wäre als bereits geschaffen. Doch es fehlt noch der extra Kick. Wir alle erinnern uns an den Aufschrei aus Ulm, als Romeo Travis 2009 nach Tübingen wechselte und die Tigers im Dschungel zum Derby-Sieg führte. Oder Dane Watts, der wie Travis 2009 aus Ludwigsburg nach Tübingen kam, um dann 2011 ausgerechnet nach Ulm zu wechseln. In abgeschwächter Form finden sich solche Verquickungen auch zwischen Tübingen und Kirchheim.

So ist Tigers-Guard Besnik Bekteshi in Kirchheim aufgewachsen, hat dort zum Basketball gefunden und auch erfolgreich für die Profis gespielt. Auf Seiten der Kirchheimer steht mit Mauricio Parra ein Trainer an der Seitenlinie, der jedem Tigers-Fan bestens bekannt sein sollte. Zwischen 2003 und 2007 war Parra Co-Trainer in Tübingen und Teil der Aufstiegsmannschaft 2004. Ein weiterer ehemaliger Tübinger im Aufgebot der Knights ist Andreas Kronhardt. Der Center streifte sich zwischen 2008 und 2010 das Tigerfell über und ist seit 2015 in Kirchheim unter Vertrag. Auch wenn es bisher keine direkten Wechsel zwischen den beiden Mannschaften gegeben hat, so birgt die Vergangenheit der Akteure dennoch viel Brisanz. Für Bekteshi auf Tübinger Seite, aber auch Parra und Kronhardt auf der Kirchheimer, ist das Spiel eine gehörige Portion Extramotivation.

Auch die Fans dürften am Sonntag mit großer Vorfreude in das Lokalderby gehen. Für jeden Sportbegeisterten ist es etwas Besonderes, gegen den Nachbarn aus der unmittelbaren Umgebung zu spielen. Die Vormachtstellung des eigenen Clubs in der Region zu bewahren, besitzt zudem nicht nur für die eigenen Anhänger einen großen Stellenwert. Nach dem Abstieg aus der ersten Bundesliga wollen die Tigers wieder die Nummer Eins in der Region sein. Eine Niederlage gegen den kleineren Kontrahenten aus Kirchheim würde deshalb doppelt schmerzen.

Kein Derby im deutschen Basketball schreibt mehr Geschichten als das Duell Tübingen gegen Ulm.

Die Geschichten gegen Kirchheim werden ab jetzt geschrieben

Auch wenn Dramen wie aus den Duellen wie gegen Ulm oder Ludwigsburg fehlen, auch wenn es noch keine bitteren Enttäuschungen und große Freude gab, so bringt das Duell gegen Kirchheim das Potential für ein echtes Derby mit. Natürlich braucht es Zeit, bis diese Geschichten das Duell der beiden Nachbarn prägen, aber bereits jetzt könnten diese geschrieben werden. Beide Mannschaften wollen in die Playoffs und es ist nicht ausgeschlossen, dass man dort aufeinandertrifft. Dann geht es mehr als um Punkte in der Tabelle, dann geht es um siegen oder fliegen. Verknüpft mit der Nähe der beiden Standorte ein sportlich und emotional hochexplosives Gemisch, das zu einem unglaublichen Derby führen kann. Aber bis dahin ist es noch weit und der Fokus liegt voll auf dem Duell am Sonntag – und hier soll aus Sicht der Raubkatzen das erste positive Kapitel im noch in den Kinderschuhen steckenden Derby zwischen Tübingen und Kirchheim geschrieben werden.

von Tobias Fischer