Foto: Jörg Laube

Tigers kämpfen sich zum 73:70-Sieg bei Phoenix Hagen!

31 Okt 2019

Die Tigers Tübingen sind zurück in der Erfolgsspur und beenden mit einem 73:70-Erfolg (30:36) vor 2120 Zuschauern bei Phoenix Hagen ihre kurze Durststrecke von zuletzt zwei Niederlagen. In einer bis in die Schlusssekunden spannenden Partie trotzten die Schwaben auch einem zwischenzeitlichen Rückstand von zwölf Punkten Mitte des dritten Viertels. Für die Tigers erzielte Tanner Graham mit 16 Punkten die meisten Zähler der Partie. Kris Davis (14), Philipp Neumann (12) und Roland Nyama (11) konnten sich ebenfalls mit zweistelligen Punktewerten in den Boxscore eintragen. Bei den Feuervögeln war Adam Pechacek mit 20 Zählern und acht Rebounds bester Akteur auf dem Parkett.

Wer sich lediglich auf seine Offensive verlässt, wird feststellen, dass dies schnell nach hinten losgehen kann. Denn es gibt immer wieder solche Tage, da fällt nicht so viel, wie gewohnt. Das wird besonders dann gefährlich, wenn der Gegner selbst zu den stärksten Offensiv-Mannschaften der Liga zählt. So auch am Donnerstagabend. Denn vor allem in der ersten Halbzeit wollte der Ball nicht so recht den Weg durch die Reuse der Hagener finden, die ihrerseits mit durchschnittlich 85,6 erzielten Punkten bis dahin zu den Top-Teams der Liga zählten. Dabei sah es nach den ersten acht Minuten eigentlich danach aus, als hätten die Tigers alles im Griff. Mit 16:8 lag man bereits recht komfortabel in Führung und man konnte den Eindruck gewinnen, dass die Raubkatzen auf dem Weg zu einem Start-Ziel-Sieg sind.

Nach gutem Start ist der Wurm drin

Mit vier Dreiern im Schlussviertel der Matchwinner: Kris Davis. Foto: Jörg Laube

Bis zum Ende des Viertels war Hagen aber schon wieder auf zwei Zähler dran, den Tigers sollte bis zur Viertelpause kein weiterer Punkt mehr gelingen. Und jetzt waren es plötzlich die Feuervögel, die den Takt vorgaben. Tübingen tat sich hingegend zunehmend schwer, einen erfolgreichen Abschluss zu finden. Hagen agierte einen Tick glücklicher und schaffte es, immer wieder an die Linie zu gehen. Aber auch im Rebound packten die Gastgeber jetzt besser zu. Vor allem am offensiven Brett kamen die Hausherren stets zu zweiten Chancen. Insgesamt 14 Offensiv-Rebounds krallte sich die Mannschaft von Chris Harris bis Spielende, die Tübinger kamen ihrerseits auf sieben Abpraller am gegnerischen Korb. Doch nicht nur im Rebound zeigte sich Hagen etwas aggressiver und war oft nur mit Fouls zu stoppen. Und so übernahmen die Feuervögel langsam die Kontrolle über das Spiel. Auf Tübinger Seite wollte hingegen nicht viel funktionieren. So erzielten die Tigers im zweiten Viertel nur 14 Zähler, gingen in den ersten 20 Minuten magere fünf Mal an die Linie und trafen dabei auch nur einen Versuch. So waren es die Gäste, die nun einem Rückstand hinterherlaufen mussten. Dieser wuchs bis zur Halbzeitpause auf 30:36 an.

Tigers drehen das Spiel

Wer auf Tübinger Seite darauf gehofft hatten, dass die Schwarz-Gelben in der zweiten Halbzeit wieder ihre Stärken ausspielen, musste sich noch gedulden. Denn es waren zunächst die Hagener, die ihren Vorsprung auf zwölf Punkte ausbauen konnten. Und Tübingen hatte weiterhin Probleme, den Ball im Korb unterzubringen. Defensiv zeigten die Tübinger jedoch weiter eine gute Partie. Und wenn die Defensive steht, kommt auch irgendwann die Offensive zurück. Zwei schnelle Dreier von Graham und Smith zum 44:49 und schon waren die Tigers zurück im Spiel. Zwar gelang es den Tigers nicht, den Rückstand weiter zu drücken, aber mit 51:57 vor dem Schlussabschnitt war man wieder in Schlagdistanz.

Und jetzt waren die Tübinger voll da. Defensiv stand man weiter gut und offensiv sollten endlich auch die wichtigen Würfe fallen. Vor allem der ehemalige Hagener Davis dreht jetzt auf. 12 Punkte erzielte der Guard in den letzten zehn Minuten und brachte seine Farben kurz vor Schluss auf die Gewinnerstraße. Neben Davis war aber auch ein zweiter Akteur jetzt voll fokussiert: Roland Nyama: Der Swingman schnappte sich kurz vor Schluss unter anderem einen ganz wichtigen Offensiv-Rebound, der zum spielentscheidenden Dreier zum 68:67 durch Davis führen sollte. Knapp 50 Sekunden waren da noch zu spielen und die Tigers gaben bis zur Schlusssirene ihre knappe Führung nicht mehr aus der Hand.

Zu den Statistiken

Die Stimmen

Doug Spradley (Trainer Tigers Tübingen): ”

Ich bin sehr glücklich, dass wir das Spiel gewonnen haben. Wir wussten, dass es nicht einfach wird, hier zu spielen. Auch wussten wir natürlich, dass Hagen offensiv sehr gefährlich ist. Dass wir sie bei 70 Punkten gehalten haben, hat uns heute erst die Chance gegeben, das Spiel zu gewinnen. Phasenweise haben wir keinen guten Basketball gespielt, das war nicht schön anzusehen. Aber in der entscheidenden Phase waren wir zur Stelle und Kris Davis sowie Roland Nyama haben wichtige Akzente gesetzt. In den letzten beiden Spielen hatten wir Probleme beim Dreier, heute fiel der Wurf wieder besser und wir hatten am Ende unsere normale Quote. Wir haben aber viel Luft nach oben, heute zählt aber erstmal der Sieg und über diesen können wir sehr froh sein.

Chris Harris (Trainer Phoenix Hagen): “Den Tübingern herzlichen Glückwunsch! Das war eine wahnsinnig kämpferische Leistung. Wie bei uns, haben auch auf deren Seite einige Spieler angeschlagen gespielt. Das war heute von beiden Seiten ein defensiver Kampf, den wir in Hagen diese Saison so noch nicht gesehen haben. Es war sehr physisch und hart umkämpft. Wir konnten lange Zeit das auf das Parkett bringen, was wir uns vorgenommen haben. Im Schlussabschnitt war meiner Meinung nach bei uns die Puste etwas aus. Die Beine waren etwas schwer und die Würfe sind nicht mehr so gefallen. Andererseits hat Tübingen da aber wieder das Wurfglück gefunden. Von daher keine einfache Niederlage.”

Der Spielfilm

Erste Halbzeit

Erstes Viertel

1. Minute: Starting Five: Diante Baldwin, Kris Davis, Roland Nyama, Justin Strings und Philipp Neumann.

3. Minute: Nach anfänglichen Schwierigkeiten erzielen die Gäste die erste Führung zum 6:5. Neumann ist für alle Zähler der Spradley-Schützlinge zuständig.

5. Minute: Harris nimmt nach einem Dreier von Nyama zum 11:6 die erste Auszeit. Den Schwaben gelingt ein 9:1-Lauf.

7. Minute: Die Raubkatzen haben das Zepter nun übernommen. Jedoch leistet man sich beim Rebound noch Nachlässigkeiten. Davis scheitert doppelt von der Freiwurflinie. Spielstand: 14:8.

10. Minute: Die Schlussphase gehört den Gästen, inklusive den letzten sechs Zähler zum 14:16-Zwischenstand nach den ersten zehn Minuten. Beim Gastgeber fehlt das Wurfglück, die Tigers leisten sich noch im gesamten Spiel einige Fehler zu viel. Neumann ist mit seinen sechs Zählern bester Punktesammler.

Zweites Viertel

12. Minute: Das Spiel wird weiter von Fehlern auf beiden Seiten dominiert. Es scheint, dass beide Kontrahenten sehr nervös sind. Highlights sind noch Fehlanzeige. Spielstand: 18:15.

13. Minute: Bei den Gästen knickt Niklas Geske unglücklich mit dem linken Sprunggelenk um und muss auf die Bank getragen werden. Im nächsten Angriff trifft Kyle Leufroy per Dreier zum 20:21. Der Gastgeber verteidigt nun mit einer Zonenverteidigung.

14. Minute: Es kommt noch besser für die Feuervögel. Michael Gilmore holt sich mit dem nächsten Distanzwurf die Führung zum 23:21 zurück. Spradley nimmt seine erste Auszeit.

17. Minute: Das Spiel hat sich gedreht. Hagen hat über bessere Würfe mehr Selbstvertrauen getankt. Neumann verkürzt unter dem Korb auf 27:31.

18. Minute: Harris nimmt beim Stand von 30:34 seine zweite Auszeit. Zu viel kann der US-Amerikaner aber gar nicht bemängeln. Sein Team ist aufmerksam und hat sich in die Begegnung gekämpft. Neumann ist mit seinem dritten Foul belastet, gleichzeitig mit zehn Zählern bester Korbjäger des Spiels.

20. Minute: Mit 30:36 geht es in die Pause. Die Tigers sind noch überhaupt nicht auf Betriebstemperatur. Nur drei von elf Dreiern (27 Prozent) sitzen bei den Gästen. Dazu nur ein erfolgreicher Freiwurf von fünf Versuchen. Da ist alles viel zu wenig.

Zweite Halbzeit

Drittes Viertel

22. Minute: Auch der Start nach dem Seitenwechsel verheißt nichts Gutes. Spradley fährt zum ersten Mal richtig aus seiner Haut. Adam Pechacek verwandelt zwei Freiwürfe zum 40:32.

24. Minute: Die Tigers sind völlig von der Rolle. Es funktioniert überhaupt nichts. Spradley nimmt beim Stand von 32:44 seine nächste Auszeit. Die Stimmung in der Krollmann Arena ist nun auf dem Siedepunkt.

27. Minute: Weiter sind die Feuervögel am Drücker. Den Raubkatzen gelingt es nicht, über die Zone Punkte zu erzielen. So wird aus der Distanz geworfen. Tanner Graham und Marvin Smith verkürzen mit sechs schnellen Zählern auf 44:49. Auszeit Hagen.

29. Minute: Da kommen die Tigers etwas heran und Baldwin verliert leichtfertig den Ball. Bezeichnend für das Tübinger Spiel. Aminu verlegt beide Freiwürfe, holt sich den Rebound und wird gefoult. Wieder zwei Würfe für Phoenix. Dieses Mal trifft der Hagener Guard beide Versuche zum 55:47.

30. Minute: Vor den letzten zehn Minuten führt das Team aus Nordrhein-Westfalen 57:51. Kernproblem bleibt weiter die Reboundschwäche (23:32), vor allem gegen Pechacek, der bereits bei 14 Zählern und acht Rebounds angelangt ist.

Viertes Viertel

33. Minute: Ausgerechnet Davis sorgt mit einem Dreier für den 57:57-Ausgleich. Bisher agiert der Rückkehrer äußerst unglücklich, doch nun dieser wichtige Treffer. Nun heißt es dran bleiben und das Spiel zu den eigenen Gunsten zu drehen. Auszeit Hagen.

35. Minute: Wieder ist es Davis, der nach seiner langer Zeit per Dreier die Führung (60:59) zurückholt. Es bahnt sich ein spannendes Finale an.

38. Minute: Die letzten Minuten stehen an. Leufroy steht an der Freiwurflinie und holt sich die Führung zum 63:62 zurück. Wer hat jetzt die besseren Nerven?

40. Minute: Wieder ist es Davis, der aus der Distanz trifft. 45,8 Sekunden vor der finalen Sirene steht es 68:65 für die Schwaben. Auszeit Hagen, noch ist alles drin für den Gegner. Pechacek verkürzt schnell auf 67:68. 12,8 Sekunden vor dem Ende steht Nyama an der Freiwurflinie und trifft beide Würfe zum 70:67. Nun wird es Spiel von der Linie. Leufroy trifft nur einen Wurf zum 68:70. Auszeit Spradley bei noch 10,1 Sekunden zu spielen. Wieder steht Nyama an der Linie und trifft beide Würfe zum 72:68 – noch 8,1 Sekunden. Im Gegenzug kann Pechacek noch auf 70:72 verkürzen. Graham wird bei noch 0,1 Sekunden gefoult, trifft einen Wurf, der Sieg gehört den Tigers

Dschungelgeflüster – der etwas andere Blick rund um das Spiel

Rückkehr an alte Wirkungsstätte

Für Kris Davis war die Begegnung in Hagen ein besonderes Spiel. Der 26-Jährige trug in der vergangenen Spielrunde noch das Trikot der Feuervögel  – es war die erste Saison der Tübinger Nummer elf in Deutschland. Bereits beim Morgentraining traf der US-Amerikaner auf die letztjährigen Weggefährten Javon Baumann, Joel-Sadu Aminu, Dominik Spohr und Jasper Günther im Kabinengang und tauschte sich mit den einstigen Mitstreitern aus. “Ich hatte eine sehr gute Zeit in Hagen und habe mich gefreut, heute viele bekannte Gesichter zu sehen”, so Davis. Auch vom Publikum erhielt Davis ein besonderes Applaus. Die Verbindung ist sogar so tief, dass Davis nach der Partie in Rücksprache mit dem Trainerteam noch in Hagen blieb und mit seinen ehemaligen Weggefährten die Möglichkeit hatte, sich intensiv auszutauschen.

Gedenken an Phoenix-Legende Grothe

Am heutigen 31. Oktober jährt sich der Todestag von Matthias Grothe zum zweiten Mal. Im Alter von nur 39 Jahren verstarb die Basketball-Legende infolge einer Krebserkrankung. Seine gesamte Karriere wirkte der einstige Big Man in Iserlohn und in Hagen. Auch nach seiner aktiven Karriere blieb Grothe den Clubs als Trainer erhalten. Vor der Partie zwischen Hagen und Tübingen gedachten die Zuschauer und die Teams dem Verstorbenen mit klatschendem Beifall. Die Nummer 9 wird bei Phoenix Hagen aufgrund seiner prägenden Zeit bei den Feuervögeln nicht mehr vergeben. Auch bei den Tigers Tübingen ist Grothe noch in guter Erinnerung. Bei den diversen Aufeinandertreffen war der Verstorbene immer ein guter Gesprächspartner und ein Mensch, der eine gute, positive Ausstrahlung verkörperte.

Anreise als Odyssee

Bereits am gestrigen Mittwoch machte sich das Tübinger Team auf den Weg gen Westen nach Hagen. Mit Pause wurde eine Zeit von circa sechs Stunden eingeplant. Doch diese Einschätzung ging dieses Mal gründlich daneben. Bereits nach Karlsruhe war die Mannschaft von Trainer Doug Spradley zweieinhalb Stunden unterwegs, bis zum Frankfurter Flughafen fast fünf Stunden. Stau über Stau prägten die diversen Autobahnen in Richtung Westen. Eine Geduldsprobe für alle im Bus. Nach fast acht Stunden Fahrtzeit erreicht der Teambus gegen 21:30 Uhr dann das Hotel in Hagen, wo die hungrigen Mäuler etwas zu Essen bekamen. Spradley nahm es mit Humor: “Zum Glück haben wir Hagen nicht als Tagesfahrt geplant. Das wäre sonst richtig in die Hose gegangen”, so der 53-Jährige.

von Johannes Beyer