Foto: Dennis Duddek

Nach der Pause eingebrochen: Tigers verlieren 65:72 in Schwenningen

28 Dez 2019

Die Tigers Tübingen haben das Kalenderjahr 2019 mit einer 65:72 (37:29)-Auswärtsniederlage bei den wiha Panthers Schwenningen abgeschlossen. Vor spektakulärer Kulisse in der Schwenninger Helios Arena (siehe Dschungelgeflüster) waren die Tigers in der ersten Halbzeit die deutlich bessere Mannschaft, führten bereits mit 15 Zählern, verloren nach der Pause jedoch komplett den Faden und mussten sich den wiha Panthers letztlich verdient geschlagen geben. Zum Topscorer bei den Tübingern avancierte Kris Davis mit 16 Zählern, erfolgreichster Punktesammler der Begegnung war Schwenningens Rasheed Moore mit 21 Punkten.

Für Fans des gepflegten Basketball-Sports war die Partie zwischen den Tigers und den Panthers sicherlich kein Leckerbissen: Schlechte Feldwurfquoten, viele Ballverluste und einige wilde Aktionen bekamen die 4.060 Zuschauer in der Helios Arena zu sehen. Dennoch bot sich dem Publikum eine spannende und extrem kampfbetonte Partie – mit dem besseren Ende für die gastgebenden Schwenninger.

In der zweiten Halbzeit den Faden verloren

Nach gutem Start und einer insbesondere in der Verteidigung ordentlichen Vorstellung ging die Mannschaft von Head Coach Doug Spradley mit einer verdienten 37:29-Führung in die Halbzeit. In der zweiten Hälfte wendete sich das Blatt jedoch: Der Korb schien für die Tigers wie vernagelt, dazu kamen die Panthers vermehrt zu Freiwürfen und präsentierten sich in den zweiten 20 Minuten als geschlossenere und aggressivere Mannschaft. Nach dem dritten Viertel war bei einem Rückstand von 48:49 zwar noch alles drin, doch die Hausherren zogen das Momentum merklich mehr und mehr auf ihre Seite und entschieden die Begegnung letztlich mit 72:65 für sich. Die Tigers beenden die Hinrunde der ProA-Saison 2019/2020 also mit acht Siegen und ebenso vielen Niederlagen, gleichbedeutend mit dem neunten Rang.

Weiter geht es für die Tigers Tübingen nächsten Samstag (20 Uhr), wenn die Bayer Giants Leverkusen zum Auftakt der Rückrunde in der Paul Horn-Arena zu Gast sind.

Die Stimmen

Doug Spradley (Trainer Tigers Tübingen): “Ich bin über unsere Leistung enttäuscht. Diese Niederlage tut uns sehr weh, vor allem wie wir gespielt haben. Wir hatten 15 Würfe mehr als Schwenningen, haben daraus aber kein Kapital geschlagen. Eine Wurfquote von 39 Prozent aus dem Feld ist einfach zu wenig. Auch, dass wir nur sieben Mal an der Freiwurflinie standen, ist einfach zu wenig. Und wenn man dann davon auch nur drei Versuche trifft, reicht das nicht. Wir hatten aber insgesamt genug freie Würfe, haben sie jedoch nicht getroffen. Wenn wir die Dreier besser treffen, muss Schwenningen in der Verteidigung umstellen, weg von der Zone ins Eins gegen Eins gehen. Und da hatten wir Vorteile. Aber die konnten wir gegen die Zonenverteidigung nicht ausspielen. Wir müssen unsere Ärmel hochkrempeln und am Samstag gegen Leverkusen anders auftreten.”

Alen Velcic (Trainer wiha Panthers Schwenningen): ”Ich bin erstmal glücklich darüber, wie viele Zuschauer heute da waren. Über 4000 Menschen in der Arena beweisen, dass Basketball in dieser Stadt salonfähig geworden ist. Tübingen hat uns in der ersten Halbzeit sehr fokussiert und konzentriert verteidigt, da hat man gemerkt, dass unsere Jungs sich dagegen schwergetan haben. Da war Tübingen klar auf dem Weg, das Spiel zu gewinnen. Wir haben dann auf Zone umgestellt, was eigentlich nicht der Plan war. Aber die Tigers sind damit nicht zurechtgekommen und wir konnten uns so in der zweiten Halbzeit zurück ins Spiel kämpfen. Da haben wir dann gezeigt, dass wir auch als Team bestehen können.”

Der Spielfilm

Erste Halbzeit

Erstes Viertel

1. Minute: Starting Five: Diante Baldwin, Kris Davis, Roland Nyama, Justin Strings und Enosch Wolf.

2. Minute: Starker Start der Tigers! Vier Punkte von Strings sowie ein Hookshot von Kapitän Wolf bringen die Tübinger schnell mit 6:0 in Front.

4. Minute: Rasheed Moore erzielt die ersten fünf Zähler der Hausherren gegen aggressiv verteidigende Spradley-Schützlinge – 9:5 Tübingen. Wenige Sequenzen später blockt Moore Tigers-Point Guard Baldwin spektakulär beim Korbleger-Versuch.

6. Minute: Nach einigen wilden Angriffen beider Teams hat Panthers-Coach Alen Velcic vorerst genug gesehen und bittet beim Stand von 9:13 aus Sicht seiner Truppe zur ersten Auszeit des Spiels.

8. Minute: Die beiden Kontrahenten finden insgesamt schwer in die Gänge, was auch auf die intensive Defensive auf beiden Seiten zurückzuführen ist. Nach acht gespielten Minuten führen die Tigers 13:11, Punkte sind in den letzten Minuten Mangelware.

10. Minute: Kurz vor der Viertelpause gleicht Sergey Tsvetkov mit dem ersten Dreier der Gastgeber zum 15:15 aus. Mit der Sirene trifft Baldwin im Gegenzug zum 17:15. Für Basketball-Ästheten war das erste Viertel sicherlich nichts, doch der Kampfgeist stimmt sowohl bei den Tigers als auch bei den Panthers. Beide Teams treffen bis dato deutlich unter 40 Prozent aus dem Feld.

Zweites Viertel

12. Minute: Die Schwenninger kommen innerhalb der erlaubten 24 Sekunden Angriffszeit nicht zu einem Abschluss. Auch offensiv läuft es nun etwas besser, resultierend in einen 22:15-Vorsprung.

13. Minute: Fünf Zähler in Serie von Kris Davis sorgen für die erste zweistellige Führung (25:15) der Partie. Es folgt die nächste Dienstbesprechung von Panthers-Coach Velcic, der in der ersten Spielhälfte nun keine Timeout mehr nehmen kann.

15. Minute: Tigers-Center Philipp Neumann muss das Spielfeld vorerst verletzungsbedingt verlassen, Wolf kommt beim Stand von 29:15 zurück in die Partie und kassiert unglücklicherweise kurz darauf sein zweites persönliches Foul.

17. Minute: Erstmals in dieser Partie können die Panthers das Momentum auf ihre Seite verfrachten. Die Tübinger kommen in dieser Phase nicht mit der Zonenverteidigung der Hausherren zurecht und verlieren den Ball, Marko Bacak verkürzt auf der Gegenseite im Fast-Break mit einem krachenden Dunking auf 22:32.

19. Minute: Bei den Tigers reiht sich gegen Ende des zweiten Viertels ein Turnover an den nächsten. Nachdem Ivan Mikulic einen Schnellangriff per Korbleger abschließt, den Aufsteiger bis auf fünf Zähler (27:32) an die Tigers heranbringt und einen 10:0-Run vollendet, braucht auch Spradley sein Kontingent an Auszeiten für die erste Halbzeit auf.

20. Minute: Die letzten Zähler der ersten Hälfte gehören Bill Borekambi, mit einem 37:29 für die Tigers geht es in die Pausenbesprechung. Ausschlaggebend für die Führung ist die starke Defensivleistung: Lediglich 31 Prozent der Schwenninger Wurfversuche finden bis dato ihr Ziel, zudem wurden bereits acht Ballverluste erzwungen. Topscorer bei den Tigers sind Kris Davis mit 10 Punkten und Justin Strings mit neun Zählern.

Zweite Halbzeit

Drittes Viertel

23. Minute: Nun sind es die Panthers, die die Tigers zu einer Verletzung der 24-Sekunden-Regel zwingen. Weiterhin wird von beiden Teams hoch intensiv verteidigt, nach drei gespielten Minuten im dritten Viertel liegt die Mannschaft von Doug Spradley mit 43:33 in Front.

26. Minute: Wichtige Punkte von Nyama! Per feiner Einzelleistung in Bedrängnis sorgt der athletische Small Forward für die 45:38-Führung, die allerdings nicht lange Bestand hält: Im nächsten Angriff verwandelt Panthers-Center Bacak einen Korbleger mit Foul. Nachdem auch der fällige Freiwurf sitzt, beträgt der Vorsprung nur noch vier Punkte.

29. Minute: In dieser Phase gelingt Tübinger offensiv wenig bis nichts. Schwenningen scheint mit aller Macht das Ruder an sich reißen zu wollen, weshalb Spradley bei einer hauchdünnen 45:43-Führung zur Auszeit ruft. Kurz darauf gleicht der stark aufspielende Moore von der Freiwurflinie für den Ausgleich.

30. Minute: Borekambi sorgt für die erste Führung der Schwenninger, die im dritten Spielabschnitt die eindeutig bessere Mannschaft sind. Insgesamt geht das dritte Viertel mit 20:11 an die Velcic-Schützlinge. Mit einem Rückstand von einem Zähler (48:49) geht es in die entscheidenden zehn Minuten.

Viertes Viertel

32. Minute: Nach wie vor stellt die Zonenverteidigung der Panthers die Tigers vor große Probleme, erneut kommt man innerhalb von 24 Sekunden nicht zum Abschluss. Nach einem Dunking von Jaren Lewis zur 53:48-Führung für die Gastgeber bleibt Coach Spradley nichts anderes übrig, als die nächste Timeout zu beantragen.

34. Minute: Nach einem Missverständnis zwischen Wolf und Davis, das mit einem Ballverlust beim Spielaufbau endet, will Panthers-Coach Velcic seine Mannschaft sprechen. Die Ansage fällt kurz aus, offenbar ist das Schwenninger Urgestein in dieser Phase beim Stand von 55:50 für seine Mannschaft zufrieden.

35. Minute: Davis verkürzt mit einem immens wichtigen Distanztreffer auf 53:55 und bringt die 4.060 Zuschauer in der Helios Arena zumindest kurzzeitig zum Schweigen.

39. Minute: Ganz unglückliches Foul von Tanner Graham, der Schwenningens Moore beim Dreierversuch regelwidrig behindert. Moore verwandelt einen der drei fälligen Freiwürfe und stellt auf 60:57 aus Sicht der Hausherren. Bitter: Nach vergebenem Freiwurf sichern sich die Panthers den Offensiv-Rebound und erhöhen in Person von Lewis auf 62:57.

39. Minute: Das Spiel wird immer verrückter: Nyama trifft einen Dreier mit Foul, verlegt den Freiwurf, jedoch arbeitet Wolf stark am offensiven Brett und gleicht per Tip-In zum 62:62 aus – Timeout Schwenningen.

40. Minute: Moore trifft von außen, Nyama kann nicht von „Downtown“ kontern, Lewis trifft zum 62:67 aus Tigers-Sicht. Nun wird es ganz eng für die Tübinger, die in der nächsten Auszeit die folgenden, noch verbleibenden 41,8 Sekunden besprechen. Dies jedoch ohne nennenswerten Erfolg: Die Tigers Tübingen verlieren zum Abschluss der Hinrunde mit 65:72 bei den wiha Panthers Schwenningen.

Dschungelgeflüster – der etwas andere Blick rund um das Spiel

“Basketball Super Slam” in der Helios Arena

Eigentlich tragen die wiha Panthers Schwenningen ihre Heimspiele in der kleinen, aber feinen Deutenberghalle aus. Seit Jahren schwirrte den Verantwortlichen des Aufsteigers aber bereits die Idee im Kopf herum, eine offizielle Partie in der 6.200 Zuschauer fassenden Helios Arena auszutragen. Dort sind normalerweise die Schwenninger Wild Wings beheimatet, die in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) an den Start gehen. Am heutigen Samstagabend wurde diese Idee schließlich zur Realität, sodass die Begegnung zwischen den Tigers und den Panthers in der Helios Arena stattfand. Der sogenannte “Basketball Super Slam” war für die Schwenniger Verantwortlichen im Vorfeld mit riesigem logistischen und technischen Aufwand verbunden, doch auch mithilfe der Eishockey-Kollegen wurde letztlich alles gemeistert – resultierend in einen Meilenstein des Schwenninger Basketballs.

“Eine tolle Zeit!”

In der Saison 2016/2017 startete Yasin Kolo seine Karriere als Profi-Basketballer bei den Tigers Tübingen. Unter dem damaligen Cheftrainer Tyron McCoy kam der sympathische Big Man nicht wie von beiden Seiten erhofft zum Zuge, sodass man nach einer Spielzeit wieder getrennte Wege ging. Im Anschluss zog es den mittlerweile 27-Jährigen zum TEAM EHINGEN URSPRING, es folgten weitere Stationen bei den Artland Dragons, den RheinStars Köln und seit Sommer bekanntlich in Schwenningen. Trotz der sicherlich nicht einfachen Zeit in Tübingen denkt Kolo gerne an seine Rookie-Saison am Neckar zurück: “Das Jahr in Tübingen war eine tolle Zeit. Ich konnte dort meine ersten Erfahrungen im Profi-Bereich sammeln und meine ersten Zähler in der Bundesliga erzielen.” Für das Tigers-Umfeld findet der 2,08-Meter-Mann auch heute noch lobende Worte: “Ich habe nach wie vor Kontakt zu einigen Personen aus dem Tübinger Umfeld. Der Club wird sehr professionell, aber gleichzeitig familiär geführt.” Am heutigen Samstagabend konnte Kolo aufgrund eines Hexenschusses nicht am Spielgeschehen teilnehmen. Wir wünschen dem ehemaligen Tübinger eine schnelle Genesung!

Pflichtspiel-Premiere zwischen Tigers und Panthers

Im Rahmen der heutigen Partie duellierten sich die Tigers Tübingen und die wiha Panthers Schwenningen erstmals in einem Pflichtspiel auf Profi-Level. Zwar traf man in der jüngeren Vergangenheit immer wieder in Testspielen aufeinander – wie erst diesen Sommer, als sich die Panthers knapp durchsetzen – doch heute stand erstmals ein offizielles Punktspiel im Profi-Bereich zwischen den beiden Teams auf dem Programm. Ganz unbekannt ist man sich jedoch ohnehin nicht: Noch vor zwei Spielzeiten gastierte der damalige Regionalligist aus Schwenningen bei den SV 03 Tigers Tübingen in der Uhlandhalle.

von Daniel Bauer