easyCredit Basketball 1. Bundesliga 2016/2017 Testspiel Walter Tigers Tuebingen – medi Bayreuth 03.09.2016 Jeferson Hiller (li, Tigers) gegen Moritz Trieb (Mitte, Bayreuth) beobachtet von Yasin Kolo (re hinten, Tigers) FOTO: Pressefoto ULMER/Fabian Laemmle xxNOxMODELxRELEASExx

Trio aus den eigenen Reihen rückt in den Profikader auf!

26 Jul 2018

Die Fans der Tigers Tübingen warten gespannt auf die letzten beiden ausländischen Zugänge für die Spielzeit 2018/2019 in der BARMER 2. Basketball Bundesliga. „Wir haben ziemlich genaue Vorstellungen, was wir auf diesen beiden Positionen wollen. Und da lassen wir uns keinen Druck machen“, erklärte ProBasket-Geschäftsführer Robert Wintermantel jüngst im Interview. Der Kader für die kommende Saison nimmt derweil aber weiter konkrete Formen an. So werden die Kaderplätze zehn bis zwölf mit jungen Talenten aus der eigenen Jugend besetzt. Nemanja Nadjfeji, Jeferson Hiller und Matti Sorgius zählen zukünftig zum Profikader und sollen wichtige Erfahrungen auf und neben dem Parkett sammeln. Aber nicht nur im Training sollen die drei Nachwuchstalente den nächsten großen Schritt machen, sondern auch Einsatzzeit erhalten.

Ein Trio mit großem Potential

Dass die Verantwortlichen dem Trio einen festen Platz im Profikader der Tigers zutrauen, spricht für die erfolgreiche Jugendarbeit in Tübingen über die letzten Jahre. Das kann jedoch nur der erste Schritt gewesen sein: „Jeferson, Matti und Nemanja haben alle unterschiedlichste Stärken. Sie stießen jeweils bereits mit 13 Jahren, ein Jahr früher als in der Regel, zum Kader der JBBL und waren damals schon einen Schritt weiter, als ihre Altersgenossen. Ihr großes Potential haben sie dann auch in der JBBL und NBBL gezeigt und haben sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Jedoch müssen sie jetzt verstehen, dass sie noch lange nicht angekommen sind, sondern noch härter dafür arbeiten, um den Schritt in den professionellen Sport zu schaffen“, beschreibt Assistenz-Trainer David Rösch, der das Gespann bei den Young Tigers Tübingen als Trainer betreute, die Zukunft des Trios.

Auch für Head Coach Aleksandar Nadjfeji steht das große Potential der drei Tübinger Eigengewächse außer Frage: „Sie sind alle durch unser Nachwuchsprogramm gegangen, dabei jedes Jahr besser geworden und haben ihr großes Potential gezeigt. Alle drei werden ihre faire Chance erhalten und können jetzt zeigen, dass sie für diesen Schritt bereit sind und sich durchsetzen können. Für mich ist es deshalb wichtig, dass sie in jedem Training alles geben, ob in der Vorbereitung, oder während der Saison“

Jeferson Hiller

Für Jeferson Hiller wird die kommende Saison richtungsweisend in Sachen Profi-Basketball sein. Nach einem Kreuzbandriss im vergangenen Jahr kämpfte sich der 19-Jährige zurück aufs Parkett. Jetzt heißt es, wieder Vertrauen in das eigene Knie zu finden und dafür zu sorgen, dass dieses auch unter den größten Belastungen zu 100 Prozent funktioniert. Denn der Guard lebt von seiner Schnelligkeit und Athletik. Diese macht ihn vor allem im Eins gegen Eins zu einem unangenehmen Gegenspieler – vor allem defensiv, aber auch offensiv – und auch zu einem starken Rebounder. In Sachen Spielverständnis sehen die Trainer derweil noch „Entwicklungspotential“, das Hiller in Zukunft abrufen muss. Dass „Jeff“ die richtige Einstellung und Mentalität dafür mitbringt, bewies er bereits sehr früh. Mit nur 16 Jahren und 15 Tagen gab Hiller im Dezember 2014 gegen ALBA BERLIN sein Debüt in der easyCredit Basketball Bundesliga und ist damit der jüngste jemals in der BBL eingesetzte Spieler. Kein Jahr später, am 3. Oktober 2015, erzielte Hiller gegen die BG Göttingen dann seine ersten Punkte in der Bundesliga. Es folgten eine Einladung zum Lehrgang der Junioren-Nationalmannschaft, eine Turnierreise mit dem Ludwigsburger Nachwuchs nach Litauen und die U16 3×3-Europameisterschaft in Ungarn. Der Kreuzbandriss im Januar 2017 bedeutete dann jedoch eine harte Vollbremsung in der bis dahin starken Entwicklung. Dass Hiller wieder voll aufs Gaspedal drücken kann, beweist auch die Nominierung für die 3×3 Nationalmannschaft der DBB-Herren im vergangenen Mai. Zwar verpasste Deutschland die Qualifikation, Hiller überzeugte jedoch mit guten Leistungen. Nach seinem Schulabschluss absolvierte Hiller ein Soziales Jahr an der Geschwister Scholl Schule in Tübingen. Im September 2017 begann Hiller im Anschluss bei der Sophienpflege eine Ausbildung als Jugend- und Heimerzieher, welche er unabhängig des sportlichen Werdegangs abschließen möchte.

Matti Sorgius

Als Matti Sorgius 2010 in die Basketballabteilung des SV 03 Tübingen eintrat, war er neun Jahre alt. Weitere neun Jahre später steht er im Profikader der Tigers! Der 17-Jährige ist dabei ein perfektes Beispiel, wie die Entwicklung eines jungen Spielers voranschreitet: In seiner ersten Saison für die Young Tigers Tübingen in der JBBL spielte der Small Forward noch keine tragende Rolle, erhielt aber wichtige Einsatzzeit, um sich an das Niveau zu gewöhnen und profitierte von den guten Trainingsbedingungen. Bereits ein Jahr später war Mattis Stunde geschlagen: Nach durchschnittlich drei Punkten in seiner Premierensaison avancierte der gebürtige Tübinger mit 19,6 Zählern im Schnitt zum Go-to-Guy in der Mannschaft des damaligen JBBL-Trainers Rösch. Auch in der Saison 2016/2017 war der mittlerweile 17-Jährige Topscorer der Young Tigers Tübingen. Mit starken 17,4 Punkten, 8,0 Rebounds, 1,8 Assists und 1,9 Steals führte Sorgius die jungen Tiger bis ins Top Four um die deutsche Meisterschaft nach Frankfurt. Dort musste der Forward verletzungsbedingt jedoch zuschauen. Dass Sorgius keine Angst hat, sich im Herrenbereich zu beweisen, zeigte er bereits im Alter von 15 Jahren. In der Herren-Oberliga erzielte er für den SV 03 Tübingen II im Schnitt 13,3 Punkte. Und auch in der NBBL behauptete er sich gegen die bis zu drei Jahre ältere Konkurrenz. In der vergangenen Spielzeit war Sorgius fester Bestandteil der U19 Bundesliga-Basketballer und zeigte mit durchschnittlich 13 Punkten und 7,2 Rebounds starke Leistungen. Dabei profitiert Sorgius vor allem von seinem großen Spielverständnis. Zudem setzt der Flügel seine 1,98 Meter effektiv beim Rebound ein und kann sowohl mit Rücken und dem Gesicht zum Korb hochprozentig abschließen. Die Fähigkeit, in Korbnähe abzuschließen, gepaart mit einem konstanten Wurf, machen ihn in der Offensive zu einem schwer zu berechnenden Gegenspieler. Dies entging auch den Bundestrainern des DBB nicht, die Sorgius 2016 in den U16-Kader der Nationalmannschaft beriefen. Verbesserungspotential hat Sorgius derweil noch in der Defensive und beim Dribbling.

Nemanja Nadjfeji

Nemanja Nadjfeji lebt Basketball! Kein Wunder, denn dem Sohn von Aleksandar Nadjfeji wurde Basketball in die Wiege gelegt. Als der Tübinger Head Coach seine erste Profistation als Spieler außerhalb Serbiens in Bonn antrat, war Nemanja nur wenige Monate alt. Als Papa Nadjfeji seine erste Meisterschaft in Köln gewann, schlurfte der damals Fünfjährige freudestrahlend übers Parkett. Die Begeisterung für das orangene Leder muss den heute 17-Jährigen bereits damals gefesselt und nie wieder losgelassen haben. Nemanja konnte aber nicht nur von dem Vorbild seines Vaters lernen, sondern auch davon profitieren, dass er in Köln, Berlin, München und Tübingen bereits in jungen Jahren an professionellen Ausbildungsstandorten lernen konnte. 2014, nach der Rückkehr der Nadjfejis nach Tübingen, avancierte Nemanja bei den Young Tigers Tübingen sowohl in der JBBL, als auch der NBBL zum Leistungsträger. Wie sein Vater, so besitzt auch Nemanja ein außergewöhnliches Spielverständnis. „Er versteht das Spiel auf einem anderen Level als die meisten Profis“, zeigt sich Rösch beeindruckt. Denn auch wenn Nadjfeji meist auf der Position des Small Forwards zum Einsatz kommt, liest er das Spielgeschehen wie ein Aufbauspieler. Gepaart mit seinen physischen und basketballerischen Fähigkeiten lässt ihn dies äußerst flexibel einsetzen. Nadjfeji kann ohne Probleme die Positionen eins bis drei spielen. Steht ein kleinerer Spieler in der Defensive ihm gegenüber, hat dieser kaum eine Chance. Kein Wunder, dass Nadjfeji 2017 in den DBB-Kader für die Qualifikation zur 3×3 Europameisterschaft berufen wurde. Dennoch wird der Sprung in den Profikader kein Zuckerschlecken. „Wie auch für Jeferson und Mattis, so wird es auch für Nemanja eine große Umstellung. Alle drei Spieler müssen jetzt viel mehr machen. Nemanja wird auch keine Sonderbehandlung erwarten können – er muss wie alle anderen Spieler überzeugen, da ist jeder gleich“, erklärt Aleksandar Nadjfeji. Für Nemanja gilt es zudem, seine guten körperlichen Voraussetzungen weiter auszubauen und in Sachen Athletik weiter zuzulegen. Noch eine Sache, an der sich der Sohn seinen Vater zum Vorbild nehmen kann.

Der Kader für die kommende Saison: Elijah AllenBesnik Bekteshi, Jacob Mampuya, Robert Nortmann, Enosch Wolf, Aaron Brennan, Reed Timmer, Nemanja Nadjfeji, Jeferson Hiller, Matti Sorgius

von Tobias Fischer