“Wieder deutlich positiver bei der Sache!” – Kris Davis im Interview

17 Jan 2020

Mit durchschnittlich 10,5 Punkten, 2,3 Vorlagen und 2,8 Rebounds ist Kris Davis ein wichtiger Bestandteil der Tigers-Rotation. Der Guard erhält nach Diante Baldwin die zweitmeiste Einsatzzeit bei den Raubkatzen und steht pro Partie 27 Minuten auf dem Parkett. Davis wechselte im Sommer von Phoenix Hagen nach Tübingen. Mit seinen offensiven und defensiven Fähigkeiten möchte der US-Amerikaner in den kommenden Wochen alles dafür tun, mit seinen Tigern die Playoffs zu erreichen. Im Interview spricht Davis über die vergangenen Wochen und seine eigenen Leistungen.

Kris, nach den letzten schweren Wochen hat das Team gegen Heidelberg endlich wieder eine richtig starke Leistung gezeigt. Was hat sich seit dem Trainerwechsel, aber auch insbesondere nach der Niederlage gegen Kirchheim nur drei Tage zuvor, geändert?

Wir haben nach dem Trainerwechsel an unserer Taktik gearbeitet. Defensiv und offensiv. Wir haben zwar keine gewaltigen Änderungen vorgenommen, aber doch an einigen Schrauben gedreht. Und das braucht Zeit, bis es in den Automatismen verinnerlicht ist. Sowas geht nicht in wenigen Tagen. Das Spiel gegen Heidelberg war das erste Spiel unter Andy Hipsher, in dem wir diese Änderungen über fast das ganze Spiel hinweg richtig angewendet haben. Generell denke ich, dass wir mit einer ganz anderen Energie trainieren und auftreten. Gegen Kirchheim haben wir in der Tat einen ganz schlechten Tag erwischt, der eigentlich nicht zu meinem Eindruck der letzten Tage und Wochen passt. Gegen Heidelberg war das anders. Da haben wir als Team die Reaktion gezeigt, die wir eigentlich auch gegen Kirchheim schon zeigen wollten.

Wie wichtig war denn der Sieg gegen Heidelberg? Nicht nur mit Sicht auf die Tabelle, sondern vor allem für euch als Team.

Das war sehr wichtig. Denn es hat uns gezeigt, dass sich der positive Impuls und die Änderungen, an denen wir arbeiten, auszahlen. Wer uns genauer analysiert, hat bereits gegen Leverkusen, aber auch gegen Kirchheim gesehen, dass wir Dinge besser machen. Dass wir dies jetzt über fast 40 Minuten getan haben, war für uns als Team ein großer Schritt. Auch. dass wir das Spiel nicht aus der Hand gegeben haben, als es nochmal eng wurde, war wichtig.

Welchen Anteil hat Andy Hipsher an dieser Entwicklung?

Andys Anteil ist groß. Er ist ein sehr guter Motivator, bringt uns dazu, sehr hart zu spielen und keine Angst vor Fehlern zu haben. Er hat uns nach dem Trainerwechsel immer wieder gesagt, dass wir als Team zusammenstehen müssen und positiv denken sollen – egal wir die Umstände sich gestalten, wir haben es selbst in der Hand. Zudem hat Andy neue Energie gebracht, die uns zuletzt gefehlt hat. Wir sind alle wieder deutlich positiver bei der Sache und das bringt uns auch als Team näher zusammen.

Der Sieg gegen Heidelberg war zwar wichtig, aber damit ist noch lange nichts erreicht. Auf was kommt es in den kommenden Wochen an und seid ihr als Team stark genug, die Playoffs zu erreichen?

Natürlich ist das Team stark genug! Das steht für mich außer Frage. Wir sind auf jeder Position erfahren und haben mehr als das, was es braucht, um dieses Jahr ein Playoff-Team zu sein. Aber natürlich kann der Sieg gegen Heidelberg nur der Anfang gewesen sein. Wir sind auch noch nicht da, wo wir hinwollen und sein können. Aber es war ein wichtiger Schritt. Wir müssen in den kommenden Wochen weiter gut als Mannschaft verteidigen, und gegenseitig helfen. Wenn wir dann weiter mit hohem Druck in der Transition agieren, den Gegner dort stoppen, aber selbst schnell umschalten und Tempo machen, sind wir ein sehr gefährliches Team. Man hat ja schon öfters diese Saison gesehen, dass wir nur schwer zu stoppen sind, wenn wir selbst das Tempo bestimmen und das Spiel schnell machen.

Persönlich läuft die Saison für die mit einigen Hochs und Tiefs. Wir beschreibst du deine Leistungen bisher?

Ich habe dieses Jahr eine etwas andere Rolle als zuletzt in Hagen. In Hagen hatte ich beim Scoring mehr „Freiheiten“ – war primär einer der Spieler, die den Abschluss suchen sollten. Dieses Jahr schaue ich mehr auf meine Mitspieler. Das ist etwas anders für mich und darauf muss ich mich auch einstellen. Deshalb gibt es, je nach Gameplan, auch Spiele, in denen ich nicht so in Erscheinung trete. Aber klar, ich hatte auch Spiele, da ist der Wurf nicht so gefallen, wie ich mir das wünsche.

Siehst du dich denn eher als Schützen oder als jemanden, der den Korb attackiert und hart am Korb abschließt?

Ich bin am besten, wenn ich den Ball in meinen Händen habe und aggressiv zum Korb ziehen kann. Das ist mir auch dahingehend lieber, da ich so die Gegner mehr auf mich ziehe und so Räume für meine Mitspieler entstehen. Wenn ich dann nicht selbst abschließen kann, ist oft ein starker Werfer frei, den ich anspielen kann. Ich bin zwar auch kein schlechter Werfer, aber ich laufe eigentlich dann richtig heiß, wenn ich den Korb attackieren kann.

Morgen empfangen wir die wiha Panthers Schwenningen im Dschungel. Ihr habt das Hinspiel knapp mit 65:72 verloren. Woran lag das und warum werden die Tigers heute das Spiel gewinnen?

Die Niederlage gegen Schwenningen war hart. Für uns, die Fans und den Verein. Es gab da aber nicht diesen einen Grund, weshalb wir das Spiel verloren haben. Ein entscheidender war aber, dass wir keine Antwort auf die Zonenverteidigung hatten. Dem Wirken wir aber derzeit zusammen mit Andy Hipsher entgegen. Wir haben bereits einige Dinge gegen die Zone geändert und arbeiten weiter stetig daran. Ich denke, wir werden Antworten haben, wenn Schwenningen Zone spielt. Zudem haben wir die gesamte Arena wieder hinter uns. Die Fans sind ein sehr wichtiger Faktor und ein entscheidender Grund, weshalb wir sechs Spiele daheim gewinnen konnten.

Und was ist neben den Antworten auf die Zonenverteidigung der Schlüssel zum Sieg?

Wir müssen wie gegen Heidelberg mit sehr hoher Energie spielen. Wenn wir im Rebound so arbeiten, wie zuletzt, machen wir uns das Leben deutlich einfacher. Am wichtigsten wird aber sein, dass wir weiter als Team auftreten und füreinander kämpfen.

von Johannes Beyer